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Freiwilligenarbeit Albanien

 
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Ende September packte ich meinen Rucksack und machte mich auf den Weg nach Tirana, um mir die Stadt und die Projekte für zukünftige Freiwillige anzuschauen.

Ich bin ehrlich: ich habe mich schon kurz gefragt, ob es wirklich eine gute Idee ist, alleine nach Tirana zu fliegen. Albanien ist ein Land, von dem man wenig weiß, das lange abgeschottet war, schwierige Zeiten durchgemacht hat und jetzt erst langsam anfängt, sich zu finden. Das allgemeine Bild von Albanien ist bei uns nicht allzu positiv. Ich kenne niemanden, der schon mal in Albanien Urlaub gemacht oder sich dort längere Zeit aufgehalten hat.

Bereits auf dem Flug lernte ich einen 15-jährigen Albaner kennen, der gerade seinen Freund in Deutschland besucht hatte. Dieser hatte Albanien mit seiner Familie vor ein paar Monaten verlassen und hofft jetzt, bleiben zu dürfen. Mir wurden ein paar Worte Albanisch beigebracht, ich erfuhr, was Jugendliche in Tirana an den Wochenenden unternehmen und dass er am Samstag 6 Stunden in den Norden Albaniens zu einem Familientreffen am Abend fahren würde. Sonntag früh ginge es dann wieder zurück. „6 Stunden für einen Abend?“ „Klar, es ist doch ein Familientreffen.“ Mit der Familie zusammen kommen, essen, lachen, sich austauschen – das ist in Albanien unheimlich wichtig. Die Familie gibt Halt und ist besonders im Alter ein unersetzlicher Teil des Lebens.

Als die Maschine um Mitternacht in Tirana landete, kam mir beim Aussteigen eine fast tropische Hitze entgegen. Es waren immer noch um die 28 Grad, der nächste Tag sollte noch heißer werden.

Nach dem Einchecken ins Hotel wollte ich noch eine Flasche Wasser in einem der Minimärkte auf der Straße kaufen. Da ich noch kein Geld getauscht und somit keine Lek hatte, fragte ich, ob ich auch mit Euro zahlen könne. Nein, das ginge nicht. Daraufhin kam ein junger Albaner zu mir, fragt in perfektem Englisch, was ich haben wolle und kaufte mir eine große Flasche Wasser. „Welcome to Albania“.

Am nächsten Morgen machte ich mich auf den Weg zum Nationalmuseum. Dort sollte um 10 Uhr eine kostenlose Stadtführung von Tirana Free Tours stattfinden. Dieses Konzept setzt sich in immer mehr Großstädten durch: junge Locals, denen es am Herzen liegt, Besuchern ihre Stadt zu zeigen und ihnen die Geschichte und Kultur ihres Landes näher zu bringen, bieten kostenlose Touren an.

Gazi, unser Guide, liebt es, ausländischen Besuchern seine Stadt näher zu bringen, auch ein bisschen, weil er hofft, dass diese dann in ihrer Heimat von Albanien erzählen. „Es geht ja hauptsächlich um die Menschen“ und „die kann man nicht beurteilen, wenn man sie nicht kennt“. Das stimmt. Wir waren ca. 15 Leute aus Deutschland, Frankreich, Belgien, Schottland, Australien und den USA. Ich empfehlen jedem, an der Tirana Free Tour teilzunehmen. Man kommt sofort mit anderen Backpackern ins Gespräch, erhält wichtige Infos und fühlt sich danach nicht mehr so überwältigt von der Innenstadt.

Nach der Tour beschloss ich mit einem anderen Deutschen, der gerade in Istanbul studiert, auf den Dajiti Berg zu fahren. Es gibt eine Gondel, mit der man in 15 Minuten oben ist. Schon nach den ersten Höhenmetern wird es ganz still und man lässt den Lärm der Großstadt einfach hinter sich. Die Fahrt ist wunderschön, die Aussicht traumhaft. Nach einem Tag in Tirana fühlte es sich am Abend dann schon gar nicht mehr so fremd an.

Am nächsten Morgen machte ich mich auf den Weg nach Kruja, Skanderbegs Geburtsort und ein beliebtes touristisches Ziel. Irgendwo während meiner Recherche stand „Wer nicht in Kruja war, war nicht in Albanien“.

Busfahren in Albanien ist recht entspannt, aber auch ein wenig abenteuerlich. Man steigt einfach ein und wartet bis der Bus voll ist (Zeit mit zu bringen ist also unbedingt notwendig!). Die Fahrt wird im Bus bezahlt nachdem dieser losgefahren ist. Es stiegen unterwegs immer mehr Leute ein, bis sich kaum mehr jemand bewegen konnte. Die Fahrt nach Kruja dauert ca. 1,5 Stunde. Immer geradeaus, an Feldern und einzelnen Häusern vorbei, Richtung Berge. Die Aussicht ist atemberaubend, die Stadt schmiegt sich in den Felsen und die Burg thront beschützend darüber. Von der Burg zurück in das Dorf geht man über einen kleinen Basar, auf dem Kunsthandwerk, Souvenirs und verschiedene andere Dinge angeboten werden.

Dann ging die Suche nach dem Bus für die Rückfahrt wieder los. Ich fragte einen älteren Herren, er redete auf mich ein und schloss mit „Prego?“ Nein, ich hatte kein einziges Wort verstanden, blieb aber neben ihm stehen, weil er mir das mit seinen Gesten verständlich gemacht hatte. Er hielt einen Minivan an und öffnete mir die Tür. Dann holte er aus dem Nichts drei riesige Müllsäcke voll mit leeren Dosen und Flaschen hervor. Er saß also auf der hinteren Bank zwischen seinen Säcken und konnte kaum mehr daraus hervorsehen. Für umgerechnet ein paar Cent brachte mich der Minivan wieder nach F. Kruje, wo ich in den Bus zurück nach Tirana stieg.

Am nächsten Tag traf ich unseren Partner. Er hat seine Organisation 2009 gegründet und seitdem mehrere hundert Freiwillige aus den USA, Kanada, Australien, Neuseeland, Belgien, den Niederlanden und aus Deutschland empfangen. Es könnten aber viel mehr sein, damit allen Projekten geholfen werden kann.

Als erstes fahren wir zu der Unterkunft der Freiwilligen. Die Wohnung liegt im Erdgeschoss, darüber befindet sich das Büro der Organisation und ganz oben wohnt er mit seiner Familie. Das gibt den Freiwilligen ein Gefühl von Sicherheit – bei einem dringenden Problem kann man einfach hochgehen und klingeln.

Dann geht es weiter zum ersten Projekt, einem Community Center für Roma-Kinder. Dieses Projekt liegt in einem sehr armen Stadtteil von Tirana, in dem nur Roma leben. Es gibt teilweise keinen Strom und kein fließendes Wasser. Die Roma leben dort sehr isoliert, sie sind nicht in die Gesellschaft integriert. Kaum einer hat Arbeit, viele Erwachsene haben nie eine Schule besucht und erkennen der Wert von Bildung für ihre Kinder nicht. Sie schicken sie lieber zum Betteln oder Plastikflaschen Sammeln auf die Straße.

Um diesen Kreislauf und diese Aussichtslosigkeit zu unterbrechen hat die Caritas mit finanzieller Unterstützung der deutsche Regierung dieses Gemeindeprojekt ins Leben gerufen. Als Volontär hast du in diesem Projekt die Möglichkeit wirklich etwas zu bewegen und dich für die Kinder einzusetzen. Eine Gruppe Jungs erzählte ganz stolz, dass sie durch die Hilfe von einer Freiwilligen jetzt auf Englisch zählen können. Die Kinder freuen sich immer sehr über Freiwillige, weil sie dadurch das Gefühl haben, dass sich jemand für die interessiert, dass auch sie wichtig sind. Die Kinder haben es nicht leicht, sie werden nirgends akzeptiert und kämpfen überall mit Ablehnung. Eine britische Freiwillige erzählte, dass sie eine Gruppe Kinder am ersten Tag nach den Ferien zur Schule begleitet hat und diese die Kinder nicht aufnehmen wollte. Sie wären dreckig und würden die Schule ja eh nicht schaffen. Die Kinder hatten sich, wie alle anderen Kinder, auf ihren ersten Schultag gefreut und kämpften mit den Tränen, einige weinten. Die Koordinatorin und die Freiwillige ließen nicht locker bis alle in die Schule durften. Es gibt in dem Projekt noch viel zu tun, deshalb werden dort dringend Freiwillige gebraucht.

Als nächstes fuhren wir zu einem relativ neuen Projekt, einer kleinen Organisation, die sich für Straßenkinder einsetzt. Es wurde 2014 von einer jungen Albanerin, die lange Zeit in den USA gelebt hat und als einzige aus ihrer Familie in ihr Heimatland zurück gekehrt ist, gegründet. Adela versucht die Kinder von der Straße zu holen, die von ihren Familien zum Betteln dorthin geschickt werden. Es sind alles Roma-Kinder, deren Eltern nie eine Schule besucht haben und deshalb Bildung keine Rolle in der Familie spielt und keinen Wert hat. Adela braucht dringend Hilfe um das Projekt auszubauen. Du wirst sie bei ihren Fahrten zu den Familien begleiten und so den Anfang und wahrscheinlich schwierigsten Teil ihrer Arbeit kennen lernen. Ich habe ein kleines Mädchen dort kennen gelernt, das sich innerhalb eines Jahres so verändert hat, dass man es kaum wieder erkennt. Sie war so höflich, konnte ein wenig Englisch und freute sich wahnsinnig auf die Schule nächstes Jahr. Das Problem ist, dass einige Kinder den Sinn von Bildung erst nicht erkennen, weil sie es ja nicht vorgelebt bekommen. Das Mädchen brauchte einen zweiten Anlauf, weil sie das erste Mal nach ein paar Wochen nicht mehr in das Projekt gekommen ist, sondern wieder betteln ging. Adela ließ nicht locker und es klappte.

(Hinweis: leider ist dieses Projekt nicht mehr für die Freiwilligenarbeit verfügbar.)

Das dritte Projekt, welches wir besuchten, ist eine Einrichtung für Kinder und junge Erwachsene mit Behinderung. Dieses Projekt ist eine Art Pionier in Albanien. Es wurde 1998 gegründet und kämpft immer noch sehr, denn in Albanien sind Menschen mit Behinderung nichts wert, keiner interessiert sich für das Thema und es gibt keinerlei finanzielle Unterstützung vom Staat für solche Einrichtungen. Der Gründer hat selbst eine Tochter mit einer Behinderung und aus der Not heraus tat er sich mit anderen betroffenen Eltern zusammen und rief das Zentrum ins Leben. In der Einrichtung sollten Menschen mit Behinderung täglich betreut werden, sie sollen ernst genommen und versorgt werden. Es ist ein tolles Projekt, das viel bewirkt, auch wenn es nur langsam voran geht.

Am nächsten Tag fuhren wir in den Südosten Albaniens, nach Korca. Die 3-stündige Fahrt mit dem Bus dorthin war wieder ziemlich abenteuerlich, es ging zahlreiche Berge hoch und wieder runter, an einem traumhaften See und der Grenze zu Mazedonien vorbei. Korca liegt in einer Hochebene, auf ca. 900 Metern Höhe und ist eine osmanisch-europäisch geprägte Stadt, die mir auf den ersten Eindruck recht entspannt schien. Sie hat ca. 50.000 Einwohner, eine schöne Fußgängerzone, eine Kirche und viel Grün.

Wir besuchten ein Kinderheim und eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung. Beide Projekte leisten tolle Arbeit. Die Projekte in Korca sind für Gruppen von Freiwilligen, auf Anfrage kann aber, je nach Verfügbarkeit, dort auch ein individueller Einsatz organisiert werden.

Nach den Besuchen der Projekte war mir klar: in Tirana kann man als Freiwillige/r viel bewegen.

Mein letzter Tag in Tirana brach an. Ich besuchte die Moschee und das Historische Museum, direkt am Skanderbeu Platz. Wer sich für die Geschichte Albaniens und für Ethnologie interessiert, ist dort genau richtig. Der Flughafenbus brachte mich pünktlich zum Flughafen. Ich weiß nicht, ob es mich nochmal nach Tirana verschlägt, aber ich hoffe es. Die Stadt ist laut, aufbrausend und anstrengend, die Sprache ist uns vollkommen fremd, man versteht anfangs kein Wort, es gibt keinen Busfahrplan und das Internetnetz funktioniert eher schlecht. Und doch fühlt man sich irgendwie wohl, vor allem sicher und herzlich aufgenommen.

 
 
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