đŸ”„ >>> ANGEBOTE! <<<
Vorbereitungsseminare For ALL European citizens!
Katalog anfordern
Telefon: 0221 67780490
Mail: info@auszeit-weltweit.de


Freiwilligenarbeit Albanien

 
ZurĂŒck zu Freiwilligenarbeit Albanien/Buchung

Ende September packte ich meinen Rucksack und machte mich auf den Weg nach Tirana, um mir die Stadt und die Projekte fĂŒr zukĂŒnftige Freiwillige anzuschauen.

Ich bin ehrlich: ich habe mich schon kurz gefragt, ob es wirklich eine gute Idee ist, alleine nach Tirana zu fliegen. Albanien ist ein Land, von dem man wenig weiß, das lange abgeschottet war, schwierige Zeiten durchgemacht hat und jetzt erst langsam anfĂ€ngt, sich zu finden. Das allgemeine Bild von Albanien ist bei uns nicht allzu positiv. Ich kenne niemanden, der schon mal in Albanien Urlaub gemacht oder sich dort lĂ€ngere Zeit aufgehalten hat.

Bereits auf dem Flug lernte ich einen 15-jĂ€hrigen Albaner kennen, der gerade seinen Freund in Deutschland besucht hatte. Dieser hatte Albanien mit seiner Familie vor ein paar Monaten verlassen und hofft jetzt, bleiben zu dĂŒrfen. Mir wurden ein paar Worte Albanisch beigebracht, ich erfuhr, was Jugendliche in Tirana an den Wochenenden unternehmen und dass er am Samstag 6 Stunden in den Norden Albaniens zu einem Familientreffen am Abend fahren wĂŒrde. Sonntag frĂŒh ginge es dann wieder zurĂŒck. „6 Stunden fĂŒr einen Abend?“ „Klar, es ist doch ein Familientreffen.“ Mit der Familie zusammen kommen, essen, lachen, sich austauschen – das ist in Albanien unheimlich wichtig. Die Familie gibt Halt und ist besonders im Alter ein unersetzlicher Teil des Lebens.

Als die Maschine um Mitternacht in Tirana landete, kam mir beim Aussteigen eine fast tropische Hitze entgegen. Es waren immer noch um die 28 Grad, der nĂ€chste Tag sollte noch heißer werden.

Nach dem Einchecken ins Hotel wollte ich noch eine Flasche Wasser in einem der MinimĂ€rkte auf der Straße kaufen. Da ich noch kein Geld getauscht und somit keine Lek hatte, fragte ich, ob ich auch mit Euro zahlen könne. Nein, das ginge nicht. Daraufhin kam ein junger Albaner zu mir, fragt in perfektem Englisch, was ich haben wolle und kaufte mir eine große Flasche Wasser. „Welcome to Albania“.

Am nĂ€chsten Morgen machte ich mich auf den Weg zum Nationalmuseum. Dort sollte um 10 Uhr eine kostenlose StadtfĂŒhrung von Tirana Free Tours stattfinden. Dieses Konzept setzt sich in immer mehr GroßstĂ€dten durch: junge Locals, denen es am Herzen liegt, Besuchern ihre Stadt zu zeigen und ihnen die Geschichte und Kultur ihres Landes nĂ€her zu bringen, bieten kostenlose Touren an.

Gazi, unser Guide, liebt es, auslĂ€ndischen Besuchern seine Stadt nĂ€her zu bringen, auch ein bisschen, weil er hofft, dass diese dann in ihrer Heimat von Albanien erzĂ€hlen. „Es geht ja hauptsĂ€chlich um die Menschen“ und „die kann man nicht beurteilen, wenn man sie nicht kennt“. Das stimmt. Wir waren ca. 15 Leute aus Deutschland, Frankreich, Belgien, Schottland, Australien und den USA. Ich empfehlen jedem, an der Tirana Free Tour teilzunehmen. Man kommt sofort mit anderen Backpackern ins GesprĂ€ch, erhĂ€lt wichtige Infos und fĂŒhlt sich danach nicht mehr so ĂŒberwĂ€ltigt von der Innenstadt.

Nach der Tour beschloss ich mit einem anderen Deutschen, der gerade in Istanbul studiert, auf den Dajiti Berg zu fahren. Es gibt eine Gondel, mit der man in 15 Minuten oben ist. Schon nach den ersten Höhenmetern wird es ganz still und man lĂ€sst den LĂ€rm der Großstadt einfach hinter sich. Die Fahrt ist wunderschön, die Aussicht traumhaft. Nach einem Tag in Tirana fĂŒhlte es sich am Abend dann schon gar nicht mehr so fremd an.

Am nĂ€chsten Morgen machte ich mich auf den Weg nach Kruja, Skanderbegs Geburtsort und ein beliebtes touristisches Ziel. Irgendwo wĂ€hrend meiner Recherche stand „Wer nicht in Kruja war, war nicht in Albanien“.

Busfahren in Albanien ist recht entspannt, aber auch ein wenig abenteuerlich. Man steigt einfach ein und wartet bis der Bus voll ist (Zeit mit zu bringen ist also unbedingt notwendig!). Die Fahrt wird im Bus bezahlt nachdem dieser losgefahren ist. Es stiegen unterwegs immer mehr Leute ein, bis sich kaum mehr jemand bewegen konnte. Die Fahrt nach Kruja dauert ca. 1,5 Stunde. Immer geradeaus, an Feldern und einzelnen HĂ€usern vorbei, Richtung Berge. Die Aussicht ist atemberaubend, die Stadt schmiegt sich in den Felsen und die Burg thront beschĂŒtzend darĂŒber. Von der Burg zurĂŒck in das Dorf geht man ĂŒber einen kleinen Basar, auf dem Kunsthandwerk, Souvenirs und verschiedene andere Dinge angeboten werden.

Dann ging die Suche nach dem Bus fĂŒr die RĂŒckfahrt wieder los. Ich fragte einen Ă€lteren Herren, er redete auf mich ein und schloss mit „Prego?“ Nein, ich hatte kein einziges Wort verstanden, blieb aber neben ihm stehen, weil er mir das mit seinen Gesten verstĂ€ndlich gemacht hatte. Er hielt einen Minivan an und öffnete mir die TĂŒr. Dann holte er aus dem Nichts drei riesige MĂŒllsĂ€cke voll mit leeren Dosen und Flaschen hervor. Er saß also auf der hinteren Bank zwischen seinen SĂ€cken und konnte kaum mehr daraus hervorsehen. FĂŒr umgerechnet ein paar Cent brachte mich der Minivan wieder nach F. Kruje, wo ich in den Bus zurĂŒck nach Tirana stieg.

Am nĂ€chsten Tag traf ich unseren Partner. Er hat seine Organisation 2009 gegrĂŒndet und seitdem mehrere hundert Freiwillige aus den USA, Kanada, Australien, Neuseeland, Belgien, den Niederlanden und aus Deutschland empfangen. Es könnten aber viel mehr sein, damit allen Projekten geholfen werden kann.

Als erstes fahren wir zu der Unterkunft der Freiwilligen. Die Wohnung liegt im Erdgeschoss, darĂŒber befindet sich das BĂŒro der Organisation und ganz oben wohnt er mit seiner Familie. Das gibt den Freiwilligen ein GefĂŒhl von Sicherheit – bei einem dringenden Problem kann man einfach hochgehen und klingeln.

Dann geht es weiter zum ersten Projekt, einem Community Center fĂŒr Roma-Kinder. Dieses Projekt liegt in einem sehr armen Stadtteil von Tirana, in dem nur Roma leben. Es gibt teilweise keinen Strom und kein fließendes Wasser. Die Roma leben dort sehr isoliert, sie sind nicht in die Gesellschaft integriert. Kaum einer hat Arbeit, viele Erwachsene haben nie eine Schule besucht und erkennen der Wert von Bildung fĂŒr ihre Kinder nicht. Sie schicken sie lieber zum Betteln oder Plastikflaschen Sammeln auf die Straße.

Um diesen Kreislauf und diese Aussichtslosigkeit zu unterbrechen hat die Caritas mit finanzieller UnterstĂŒtzung der deutsche Regierung dieses Gemeindeprojekt ins Leben gerufen. Als VolontĂ€r hast du in diesem Projekt die Möglichkeit wirklich etwas zu bewegen und dich fĂŒr die Kinder einzusetzen. Eine Gruppe Jungs erzĂ€hlte ganz stolz, dass sie durch die Hilfe von einer Freiwilligen jetzt auf Englisch zĂ€hlen können. Die Kinder freuen sich immer sehr ĂŒber Freiwillige, weil sie dadurch das GefĂŒhl haben, dass sich jemand fĂŒr die interessiert, dass auch sie wichtig sind. Die Kinder haben es nicht leicht, sie werden nirgends akzeptiert und kĂ€mpfen ĂŒberall mit Ablehnung. Eine britische Freiwillige erzĂ€hlte, dass sie eine Gruppe Kinder am ersten Tag nach den Ferien zur Schule begleitet hat und diese die Kinder nicht aufnehmen wollte. Sie wĂ€ren dreckig und wĂŒrden die Schule ja eh nicht schaffen. Die Kinder hatten sich, wie alle anderen Kinder, auf ihren ersten Schultag gefreut und kĂ€mpften mit den TrĂ€nen, einige weinten. Die Koordinatorin und die Freiwillige ließen nicht locker bis alle in die Schule durften. Es gibt in dem Projekt noch viel zu tun, deshalb werden dort dringend Freiwillige gebraucht.

Als nĂ€chstes fuhren wir zu einem relativ neuen Projekt, einer kleinen Organisation, die sich fĂŒr Straßenkinder einsetzt. Es wurde 2014 von einer jungen Albanerin, die lange Zeit in den USA gelebt hat und als einzige aus ihrer Familie in ihr Heimatland zurĂŒck gekehrt ist, gegrĂŒndet. Adela versucht die Kinder von der Straße zu holen, die von ihren Familien zum Betteln dorthin geschickt werden. Es sind alles Roma-Kinder, deren Eltern nie eine Schule besucht haben und deshalb Bildung keine Rolle in der Familie spielt und keinen Wert hat. Adela braucht dringend Hilfe um das Projekt auszubauen. Du wirst sie bei ihren Fahrten zu den Familien begleiten und so den Anfang und wahrscheinlich schwierigsten Teil ihrer Arbeit kennen lernen. Ich habe ein kleines MĂ€dchen dort kennen gelernt, das sich innerhalb eines Jahres so verĂ€ndert hat, dass man es kaum wieder erkennt. Sie war so höflich, konnte ein wenig Englisch und freute sich wahnsinnig auf die Schule nĂ€chstes Jahr. Das Problem ist, dass einige Kinder den Sinn von Bildung erst nicht erkennen, weil sie es ja nicht vorgelebt bekommen. Das MĂ€dchen brauchte einen zweiten Anlauf, weil sie das erste Mal nach ein paar Wochen nicht mehr in das Projekt gekommen ist, sondern wieder betteln ging. Adela ließ nicht locker und es klappte.

(Hinweis: leider ist dieses Projekt nicht mehr fĂŒr die Freiwilligenarbeit verfĂŒgbar.)

Das dritte Projekt, welches wir besuchten, ist eine Einrichtung fĂŒr Kinder und junge Erwachsene mit Behinderung. Dieses Projekt ist eine Art Pionier in Albanien. Es wurde 1998 gegrĂŒndet und kĂ€mpft immer noch sehr, denn in Albanien sind Menschen mit Behinderung nichts wert, keiner interessiert sich fĂŒr das Thema und es gibt keinerlei finanzielle UnterstĂŒtzung vom Staat fĂŒr solche Einrichtungen. Der GrĂŒnder hat selbst eine Tochter mit einer Behinderung und aus der Not heraus tat er sich mit anderen betroffenen Eltern zusammen und rief das Zentrum ins Leben. In der Einrichtung sollten Menschen mit Behinderung tĂ€glich betreut werden, sie sollen ernst genommen und versorgt werden. Es ist ein tolles Projekt, das viel bewirkt, auch wenn es nur langsam voran geht.

Am nĂ€chsten Tag fuhren wir in den SĂŒdosten Albaniens, nach Korca. Die 3-stĂŒndige Fahrt mit dem Bus dorthin war wieder ziemlich abenteuerlich, es ging zahlreiche Berge hoch und wieder runter, an einem traumhaften See und der Grenze zu Mazedonien vorbei. Korca liegt in einer Hochebene, auf ca. 900 Metern Höhe und ist eine osmanisch-europĂ€isch geprĂ€gte Stadt, die mir auf den ersten Eindruck recht entspannt schien. Sie hat ca. 50.000 Einwohner, eine schöne FußgĂ€ngerzone, eine Kirche und viel GrĂŒn.

Wir besuchten ein Kinderheim und eine Einrichtung fĂŒr Menschen mit Behinderung. Beide Projekte leisten tolle Arbeit. Die Projekte in Korca sind fĂŒr Gruppen von Freiwilligen, auf Anfrage kann aber, je nach VerfĂŒgbarkeit, dort auch ein individueller Einsatz organisiert werden.

Nach den Besuchen der Projekte war mir klar: in Tirana kann man als Freiwillige/r viel bewegen.

Mein letzter Tag in Tirana brach an. Ich besuchte die Moschee und das Historische Museum, direkt am Skanderbeu Platz. Wer sich fĂŒr die Geschichte Albaniens und fĂŒr Ethnologie interessiert, ist dort genau richtig. Der Flughafenbus brachte mich pĂŒnktlich zum Flughafen. Ich weiß nicht, ob es mich nochmal nach Tirana verschlĂ€gt, aber ich hoffe es. Die Stadt ist laut, aufbrausend und anstrengend, die Sprache ist uns vollkommen fremd, man versteht anfangs kein Wort, es gibt keinen Busfahrplan und das Internetnetz funktioniert eher schlecht. Und doch fĂŒhlt man sich irgendwie wohl, vor allem sicher und herzlich aufgenommen.

 
 
ZurĂŒck zu Freiwilligenarbeit Albanien/Buchung


🌈 Sei mehr als ein Tourist, hinterlasse Spuren! 📾
Triff uns