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Freiwilligenarbeit Tansania - Jana

 
6 Wochen Tansania, die sich kaum in Worte fassen lassen...

Ich reiste nach Tansania um mich, aber auch die Menschen und Kultur vor Ort besser kennen zu lernen. Ich lebte in einem Volunteer-Haus in Arusha, zusammen mit anderen Freiwilligen. Die ersten vier Wochen arbeitete ich im Babywaisenhaus und die letzten beiden Wochen reiste ich im Land umher. Ich lernte von Anfang an, dass Afrika zwei Gesichter hat und es auch wichtig ist in beide zu blicken. Es wäre unfair für alle Menschen dort nur von den Sonnenseiten zu sprechen. Trotzdem verliebte ich mich sofort in dieses Land....

Der erste Tag nach meiner Ankunft war extrem aufregend, angefangen von der Geruchswelt bis über jedes Detail in einem afrikanisches Haus. Beim ersten Besuch in der Stadt mit dem lokal ansässigem Assistenten, konnte ich gar nicht genug Eindrücke aufnehmen. Schon allein der Weg dorthin, durch die afrikanische Siedlung mit all ihren Menschen, war ein Erlebnis. Schnell merkte ich, dass hier jeder jeden kennt und man sich ausreichend Zeit für Begrüßung und Smalltalk nimmt. So lernte auch ich schon viele Leute kennen und genoss die afrikanische Umgangsweise, die so ziemlich das Gegenteil der Deutschen ist.

Im Waisenhaus gab es mehrere Kinderhäuser, sortiert nach Altersgruppen. Im ersten Haus lebten die ältesten Kinder, „Toddlers“ und „Wobblers“. Im zweiten die „Crawler“ und im dritten befand sich die „Baby Nursery“. Mein erster Tag wird mir wohl immer in Erinnerung bleiben. Ich betrat das Haus der Toddlers und schon in der nächsten Sekunde hatte ich zwei Kinder auf dem Arm und weitere um mich herum. Kurze Zeit später kletterte ein Mädchen auf meinen Schoß, die immer ganz besonders viel Nähe brauchte. Sie legte ihren Kopf auf meine Brust und schlief durch mein Rückenstreicheln selig ein.

Auch wenn das Waisenhaus mit Sicherheit zu den nobelsten in der Stadt zählt und den Kindern, Gott sei es gedankt, mindestens 3 Mahlzeiten am Tag, Bettchen, Spielzeug etc. bietet, merkt man auch hier die Missstände. Erstens werden die Kinder vegan ernährt, da die amerikanischen Besitzer einer seltsamen Sekte angehören, in der auch medizinische Versorgung verboten ist. Die Crawlers und Wobblers werden viel zu oft und lange schlafen gelegt und ihr Schreien, weil sie nicht müde sind, wird ignoriert. Es gibt feste Abläufe für Füttern, Wickeln und Schlafen. Die Crawlers hatten zum Mittagessen immer schon seit Stunden pitschnasse Windeln und waren deshalb auch oft quengelig. Flexible Ausrichtung nach den aktuellen Bedürfnissen der Kinder gibt es kaum. Auch gibt es von Seiten der Nannies wenig Bemühungen den Toddlern mit 2-3 Jahren, Töpfchen gehen oder Selbstständigkeit beim z.B Essen beizubringen. Trotzdem geht es den Kindern dort immer noch um Welten besser als in den meisten anderen Waisenhäusern. Man schließt jedes einzelne Kind sofort in sein Herz und lernt das Hier und Jetzt mit ihnen zu genießen, auch wenn einen die Gedanken an ihre Vergangenheit und Zukunft sehr traurig stimmen. Am liebsten hielt ich mich in der Baby-Nursery auf, auch wenn die Kinder dort noch keine herzerweichenden Streiche spielen konnten.

Schade war, dass man sich als Volunteer recht unwillkommen fühlt. Die australischen Leiter vor Ort haben sich nicht für einen interessiert, sich vorgestellt oder einen in die Regeln eingewiesen. Auch waren oft zu viele Volunteers oder Besucher dort, dass es keinen Sinn machte dort zu bleiben. Volunteering ist nur eine andere Art von Tourismus. Wer denkt er kann so billig Urlaub machen, oder besonders tolle Entwicklungshilfe leisten, liegt falsch. Das war mir allerdings schon vorher bewusst. Man kann jedoch den Kindern Liebe schenken, die sie sonst nicht ausreichend bekommen würden und bei lokalen Leuten einkaufen, um ihnen zu helfen. Volunteering ist allerdings die perfekte Art um den Alltag vor Ort zu leben. Ich liebte es mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie Dalladalla und Pikipiki in die Arbeit zu fahren. Jede einzelne Fahrt war auch nach 4 Wochen noch ein Erlebnis.

Wie schon erwähnt, kommt man viel ins Nachdenken über die vielen Missstände in Afrika. Ein Kind bei den Crawlers starb während meiner Zeit dort. In Deutschland hätte es bestimmt mit guter medizinischer Versorgung überlebt. Nicht nur die Schicksale der Kinder, sondern auch viele Alltagssituationen zeugen vom Entwicklungsrückstand Afrikas. Ich finde es jedoch wichtig, dass man sich auch diesen bewusst ist und nicht die Augen davor schließt und schreibt wie toll alles ist. Trotz aller Missstände, hört die Welt auf sich zu drehen, wenn man einem Baby die Flasche gibt, es einem dabei den Finger umklammert und tief in die Augen sieht, oder wenn ein Baby auf einem einschläft, einen einfach nur anlächelt, oder, oder, oder...

In unserem Volunteer-Haus, lebten nur deutsche und österreichische Mädchen. Ich gewann sie schnell als neue Freundinnen und wir hatten eine super tolle Zeit gemeinsam. Wir saßen oft stundenlang gemeinsam am Tisch, gingen auf Parties oder Ausflüge, sahen Filme, aber es bekam auch jede ihre Freiräume.

Was ich noch am meisten liebte, ist die „Hakuna Matata“- (= es gibt keine Probleme) und „polepole“ (=langsam langsam) Mentalität. Obwohl viel Chaos herrscht, klappt alles immer irgendwie und niemand lässt sich dabei stressen. Sehr schnell habe ich diese Art zu Leben angenommen und ich hoffe, sie mir auch in Deutschland ein bisschen beizubehalten. Ich baute mir dort schnell ein Netzwerk an Leuten auf, denen ich trauen und mit denen ich gute Geschäfte machen konnte. Einen Pikipiki Fahrer, Taxi-Fahrer, Obst- und Gemüsestand Besitzer etc. Wenn man etwas braucht, fragt man einfach den nächst Besten und wenn der es nicht weiß, setzt dieser alle Hebel in Bewegung bis man am Ziel ist.

Die Stadt Arusha bietet zwar keine besonders tollen Tourismus Attraktionen, wie sie in vielen Reiseführern beschrieben ist, aber ich liebte diese Stadt! Man kommt schließlich her, um in den Alltag einzutauchen und nicht für Touristen Attraktionen. Ich empfand sie als, für afrikanische Verhältnisse, sehr moderne Stadt, die obendrein noch ziemlich sicher ist, wenn man sich an die Regeln hält. Man bekommt alles was man braucht, von deutschen Arzneimitteln bis westlichen Lebensmitteln. Ich habe keinerlei Erfahrungen mit Überfällen oder Diebstählen gemacht und meine versteckte Bauchtasche bald zu Hause gelassen. Trotzdem sollte man sein Schicksal nicht herausfordern und im Dunkeln nicht mehr zu Fuß unterwegs sein und einfach seinen natürlichen Instinkt benutzen. Ausgehen kann man in Arusha übrigens auch sehr gut! Es scheint als tanzten sich die Leute hier alle Sorgen vom Leib, als gäbe es keinen Morgen. Auch dort knüpften wir schnell ein soziales Netzwerk von Barkeepern und Freunden. Die Leute dort sind alle so herzlich. Am meisten merkt man, dass bei ihren Umarmungen, die richtig fest und überschwänglich sind. Ich vermisse sie alle sehr.

Auszeit Weltweit hat mir wirklich des Sommer meines Lebens ermöglicht, hat zu Hause auf meine Fragen immer prompt geantwortet und sich toll gekümmert. Mit der Organisation vor Ort hat für mich auch alles gut geklappt. Bei Fragen oder Anliegen wurde mir immer gleich weitergeholfen.

Was ich über mich selbst gelernt habe, ist, dass für uns Selbstverständlichkeiten, wie „immer verfügbares Wasser“, „eine große und schmackhafte Essensauswahl“, Sauberkeit, Pünktlichkeit, Effektivität etc. etc. plötzlich unwichtig werden. Man arrangiert sich einfach und nimmt die Dinge so wie sie sind. Die kleinen Freuden des Alltags bestehen auf einmal aus: „Hey, wir bekommen gerade wieder Wasser!“, „Der kleine Shop vor unserem Haus hat endlich uns zu Liebe ein paar Schokoriegel im Sortiment!“. „Die neue Erdnussbutter ist noch ganz weich!“ und so weiter. Familie und Freunde können es nur schwer verstehen, dass man z.B die heiße Dusche im modernen Bad oder irgendwelche Lieblingsgerichte dort nicht vermisst. Bevor ich nach Tansania reiste, wusste ich nicht, ob ich mich mit diesem Standard wohlfühlen kann, aber ich kann es und bin mir nun der deutschen Lebensqualität viel besser bewusst und halte nun Vieles für unnötig.

Ich bereue es zutiefst, dass ich meine Volunteering Zeit nur für 4 Wochen gebucht hatte. Aber eigentlich ist es egal, ob man für 4, 8, 12 oder noch mehr Monate hier ist. Wenn man mit Flexibilität und offenem Herzen in dieses Land reist, wird man immer mit „Heimweh“ nach Hause reisen und die Zeiten betrauern, die man nicht mehr erleben konnte.

Jana



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