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Freiwilligenarbeit Mongolei - Nicolas

 
ANREISE:

Etwa 6 Stunden verbrachte ich in dem Taxi, das mich von Ulaanbaatar nach Erdenet bringen sollte. Eigentlich eine recht kurze Distanz, da aber die Straßen der Mongolei durch das raue Klima extrem ramponiert sind, ist es relativ schwierig schnell voranzukommen. Aber die Uhren in der Mongolei ticken - wie ich später noch lernen sollte – eh etwas anders als in Deutschland.
Abends um 18:30 nach einer weiteren Stunde Fahrt kam ich schließlich im Camp 60 km nordöstlich von Erdenet an.
Nach einer kurzen Führung und einer Mahlzeit fiel ich schon um 20:00 völlig platt ins Bett; immerhin war ich mehr als einen ganzen Tag unterwegs gewesen!

→ TIPP: Für die Fahrt Trinken und Essen nicht vergessen! Man kann zwar zwischendurch anhalten, aber für 7 Stunden kann man nie genug dabei haben. Auch Taschentücher (unterwegs nur Plumpsklos!) und etwas zur Beschäftigung sind von Vorteil!

DAS CAMP:

Das Camp ist etwa 60 km von Erdenet an einem Hang nahe des Selenge (einem der größten Flüsse der Mongolei) gelegen. Auf dem großen, umzäunten Gelände befinden sich drei Hauptgebäude, wo sich die Zimmer für die Kinder und die Sportplätze befinden. Das Büro am Eingang dient den Lehrern als Besprechungsraum und in den Unterrichtsstunden als Klassenzimmer. Weiter oben auf dem Hang ist die große Kantine gelegen und etwas unterhalb davon das „Krankenhaus“, welches nur 10 Meter vom Fußballplatz und den dazugehörigen Tribünen entfernt ist. Außerdem gibt es den sogenannten „Club“, der knapp 400 Kinositze sowie eine Bühne bietet.
Das ganze Gelände ist im Grünen gelegen und sehr naturbelassen, was im Allgemeinen für eine entspannte Atmosphäre sorgt. Auch lädt die Nähe zum Selenge zu kleineren oder größeren Wandertouren ein. (TIPP: Mückenspray nicht vergessen!)
Zudem gibt es auf dem Gelände fast 40 Rehe sowie einige Pferde, und sogar 2 Kamele schauen ab und an vorbei.

CAMPLEBEN:

Die ersten Tage gingen recht entspannt zu, obwohl wir für ca. 400 Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 20 Jahren täglich ein anderes Programm erstellten. Jeder Tag hatte sein eigenes Thema und jeden Abend wurde eine andere Motto-party unter freiem Himmel organisiert.
An zwei Abenden pro Woche gab es eine Talentshow, bei der zum einen die Kinder als Gruppen gegeneinander antraten, zum anderen die Lehrer ihr Können unter Beweis stellen durften.
Hierbei fiel immer wieder auf, wie viele Mongolen schon als Kinder Tanzkurse besuchen, singen und Theater spielen.
Als die Englischstunden begannen, musste ich mich weitgehend auf das Unterrichten beschränken, da bei fast 8 vollen Trainingsstunden täglich kaum mehr Zeit für weitere Projekte blieb.

DER UNTERRICHT:

Das Englischprojekt im Camp steht erst noch am Anfang, was allerdings nicht unbedingt etwas Negatives sein muss, da dies viel Platz für kreatives Arbeiten zulässt.
Unsere Klasse setzte sich aus nur 5 Schülern unterschiedlichen Alters zusammen (zwischen 9 und 16 Jahren). Auch der Sprachlevel war unterschiedlich, obwohl das Alter hierbei keine Rolle spielte.

Um besser voranzukommen, beschlossen wir daher den eh schon kleinen Kurs nochmal aufzuteilen, sodass die Anfänger die Basics erlernen können, ohne dabei die Fortgeschrittenen zu langweilen. Die 26-jährige Ariuna erklärte sich bereit (vor allem wegen der Sprachbarriere) die Grammatik zu unterrichten, während wir diese Grammatik verbunden mit weiteren Vokabellektionen, Gesprächen und Spielen vertiefen und in Alltagssituationen anwenden sollten.
Mit „Wir“ meine ich außer mir selbst die Britinnen Emily und ihre Mutter Jane, die zusammen durch Asien als Englischlehrer reisen und mir dadurch die Arbeit deutlich erleichterten.
Von 9 Uhr morgens bis zum Mittagessen haben wir also immer mit einem Teil der Gruppe aktive Gespräche geübt, während der andere Teil Grammatik lernte. Nach dem Mittagessen wurde gewechselt und wieder 3-4 Stunden geübt.
Aus deutscher Sicht erscheint diese große Menge an Übungsstunden unangemessen für ein Sommercamp, jedoch waren die Kinder froh diese Gelegenheit zu nutzen und nahmen erstaunlicherweise die ganze Zeit hindurch aktiv am Unterricht teil! (In Deutschland kaum vorstellbar!)

Doch dieses intensive Training machte sich auch wirklich bezahlt. Ariuna schaffte es, die komplette englische Grammatik in 2 Wochen zu erklären, und die Fortschritte in Grammatik und Wortschatz waren zum Teil enorm!
Unsere Übungen waren häufig an den jeweiligen Thementag angepasst, damit man einen gewissen Bezug zwischen Unterricht und Tagesprogramm hatte. Desweiteren nutzten wir das gute Wetter so gut es ging, um draußen zu unterrichten oder bei kleineren Wanderungen über die Natur zu sprechen.
Um das Projekt weiter in Rollen zu bringen, organisierte Deggie, die Campleiterin, für mich gleich zu Beginn der zweiten Woche einen spontanes Interview beim Fernsehsender der 'Erdenet Mining Corporation', da das Camp auch von diesem Konzern aufgebaut worden ist.

SONDERTHEMA 'ESSEN':

Das Essen in der Mongolei ist ein Thema für sich!
Es ist einfach, oft fett und meistens mit viel Fleisch. So viel Fleisch um genau zu sein, dass der Magen die ersten Tage Schwierigkeiten haben kann sich anzupassen. Also sollte man auf jeden Fall Magentabletten nicht vergessen!
Als Vegetarier ist es noch schwieriger, da es wie gesagt kaum Speisen ohne Fleisch gibt.
Zudem ist es klug, sich aus der Stadt noch etwas zusätzlich mitzunehmen, da nach vier Wochen auch der geübtesten Kantine irgendwann die Variationen ausgehen.

Auch sollte man nie Leitungswasser trinken, wenn man es nicht unbedingt muss. Abgepackes Wasser gibt es überall günstig zu kaufen.
Im Camp gibt es drei warme Mahlzeiten. Morgens eine Art Grieß mit Milch und den berühmten Milchtee. Mittags entweder Nudeln oder Reis mit Fleisch und Soße an Sondertagen wie Naadam Nationalgerichte. Abends gibt es zwar auch Nudeln oder Reis, aber nicht dasselbe wie am Mittag. Zu den Hauptgerichten gibt es immer eine Suppe.
Mongolen jeden Alters lieben Süßes, was sich auch in den zwei kleinen Läden im Camp widerspiegelt, die sich in den Hauptgebäuden befinden. Dort gibt es alle erdenklichen Variationen von russischen und deutschen Schokoladen, Softdrinks aus Amerika und Gummibärchen...

Natürlich gibt es in der Mongolei auch ausgesprochen gute traditionelle Küche, deswegen lohnt sich sicherlich ein Besuch bei einem der zahlreichen „Modern Nomads“ Restaurants in Ulaanbaatar! und versucht doch gleich bei dieser Gelegenheit mal etwas, das du sonst nicht daheim probieren würdest wie z.B. einen ganzen Schafskopf. Die meisten Gerichte schmecken erstaunlich gut, wenn man erst die mentale Blockade los ist.

NAADAM (10.-13. Juli):

Naadam ist das alljährlich stattfindende Nationalfest der Mongolei als Erinnerung an die Unabhängigkeitserklärung von 1921.
Zu diesem Anlass werden die sogenannten „Deels“ getragen; wunderschöne Gewänder aus Seide oder Wolle, die auch über die Herkunft und sozialen Status Auskunft geben.
Traditionell gibt es Wettkämpfe in drei Kategorien: Bogenschießen, Ringen und Pferderennen, bei denen im Prinzip jeder teilnehmen kann! (Ringkampf ist allerdings den Männern vorbehalten!)
Am ersten Naadam-Tag gab es im Camp eine Eröffnungszeremonie und danach durfte jeder der wollte selbst versuchen mit Pfeil und Bogen Flaschen abzuschießen, seinen Gegner im Ringkampf zu besiegen oder beim Steckenpferd-Rennen der Schnellste zu sein (echte Pferde wären zu gefährlich).
Zu jenen besonderen Tagen im Jahr werden auch traditionelle Speisen wie Chuuschuur (mit Fleisch gefüllte, frittierte Teigtaschen) und Airag (fermentierte Pferdemilch, die nach leicht säuerlichem Bier schmeckt) serviert, was eine willkommene Abwechslung auf der Speisekarte bedeutete.
Am zweiten Tag bekamen Emily, Jane und ich die Gelegenheit nach Erdenet zu fahren, um Naadam im großen Maßstab zu erleben. Wir konnten dort Bogenschießen, die Ringkämpfe im Stadion sehen und dem großen Pferderennen auf der Leinwand folgen.
Rings um das Stadion wurden die traditionellen Jurten aufgeschlagen, die sogenannten „Gers“. Dort werden die Zuschauer mit verschiedenen Speisen und Getränken versorgt.
Zudem gibt es eine Art Jahrmarkt mit kleinen Buden mit Andenken, Obst oder Glücksspielen, außerdem Kamelreiten und verschiedene Geschicklichkeitsspiele.
An diesem Tag hab ich das Bild von dem springenden Pferd aufgenommen, das wohl zu meinen besten Aufnahmen dieser Reise gehört!
Am dritten Tag wurden die Camp-Mitarbeiter und wir drei Ausländer vom Vorsitzenden der Organisation eingeladen, mit ihm zu essen und an kleineren Wettkämpfen, wie Tauziehen, teilzunehmen.
Generell ist zu sagen, dass es sich allein wegen Naadam lohnt, im Juli in die Mongolei zu kommen, um dieses sehr alte Volksfest hautnah mitzuerleben!

FAZIT ZUR REISE:

Das dürfte für viele wohl der wichtigste Teil dieses Berichts sein, also komme ich gleich zum Punkt!

Die Reise war fantastisch!

Ich habe noch nie so viel Verschiedenes in so kurzer Zeit gesehen, erlebt und gelernt. Angefangen mit dem Waschen meiner Wäsche von Hand, über den Zusammenbau eines russischen Gewehrs AK-47 (als das Militär im Camp zu Besuch war), das Essen eines Schafkopfs, das Reiten von Kamelen bis hin allgemein offener und spontaner zu sein. Als ich das Camp nach 4 Wochen verlassen musste, habe ich erst festgestellt, wie viele neue Freunde ich gefunden habe! Wie Ariuna und ihren Freund Shaba, die mich gleich eingeladen haben, die nächsten 10 Tage in Ulaanbaatar bei ihnen zu verbringen, damit ich Hotelkosten spare und jemanden habe, an den ich mich bei Problemen wenden kann.

Die Reise hat sich wirklich für mich gelohnt, weil ich nicht nur mehr Wissen angehäuft habe, sondern mich auch persönlich weiterentwickeln konnte!

Nicolas Pöhlmann



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