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Freiwilligenarbeit Malaysia - Gabi

 
Meine Reise Orang-Utan-Island/Bukit Merah, Taiping/Malaysia vom 03.06.-24.06.2017

Am 03.06.2017 bin ich via Dubai nach Kuala Lumpur geflogen. Am Airport hat mich mein lokaler Ansprechpartner Paul abgeholt und in einen Imbiss gebracht, wo ich die ersten kĂŒnftigen Kollegen getroffen habe. Mandy, 39, aus Brisbaine/Australien und Matt, 34, aus London/UK. Da Paul spĂ€ter noch einen weiteren Freiwilligen erwartet, hat er fĂŒr mich eine Fahrt in einem super bequemen Fernbus organisiert. Achtung, die Malaien mögen es kalt und teilweise laut. Obwohl alle frieren und sich einpacken, lĂ€uft die Aircon auf höchsten Touren, auch die Beschallung. In Taiping holt mich Yin vom Guesthouse Sojourn am Busterminal ab. Nach einer kurzen Fahrt betrete ich das erste Mal mein Heim fĂŒr die nĂ€chsten drei Wochen. Ich war davon ausgegangen, auf der Insel bei den Orang-Utans zu ĂŒbernachten. Da habe ich wohl die Infos nicht wirklich gecheckt.

Aber sofort wird klar: hier kann man sich richtig wohl fĂŒhlen. Mit meinen 53 Lebensjahren fĂŒhle ich mich 40 Jahre zurĂŒckversetzt, in Zeiten der Jugendherbergen und Klassenfahrten. Trotz großer MĂŒdigkeit macht sich sofort ein warmes GefĂŒhl der Gastfreundschaft breit und die lockere AtmosphĂ€re ist wohltuend zu spĂŒren. Ich beziehe meine Herz-Koje im Dragon-Zimmer, ein Vier-Bett-Raum zur Straße hin. Außer der Koje, wo sich neben der Matratze ein 20-cm-Streifen AbstellflĂ€che befindet, hat jeder ein abschließbares Fach zum Unterbringen des GepĂ€cks. Mein erster Gedanke: wie kommen vier Menschen auf diesem kleinen Raum klar? Aber es wird sich bald herausstellen, dass dies keine Minute in den drei Wochen ein Problem sein wird. Als abends Jacob, 22, aus Kanada eintrifft, ist unser Team komplett. Von der ersten Minute an fĂŒhle ich mich in der nun kompletten Gruppe pudelwohl und weder mein Alter („the Mummy“) noch die Tatsache, dass alle Englisch als Muttersprache haben, sind ein Problem.

Montags machen wir zu Fuß einen Rundgang durch Taiping zur Orientierung und schauen uns ein paar der SehenswĂŒrdigkeiten an. Ich bin begeistert von den Lake Gardens, einem Park mit viel GrĂŒn und Seen. Nachmittags gibt es ein Picknick bei den Burmese Pools, einem Naturpool im Wald, zusammen mit Paul, Itca und Zatie, unseren stĂ€ndigen Begleiterinnen, Dolmetscherinnen und Anleiterinnen auf der Insel. Leider sind Ferien und es ist nicht nur viel los, die Landschaft ist auch sehr vermĂŒllt. Unseren Begleitern ist der Zustand der Umgebung sichtlich unangenehm.

In der ersten Nacht schlafe ich nicht sehr gut. Daheim gewohnt, nachts totale Stille zu haben, lassen mich die GerĂ€usche der Hauptstraße nicht schlafen. Mit Ohrstöpseln (auch im Guesthouse gĂŒnstig zu erwerben) ist aber auch das Problem schnell behoben.
Im Haus gibt es drei Toiletten und zwei Duschen, allesamt sehr modern und stets sauber. Nie wĂ€hrend meines Aufenthaltes hatte ich auch nur einen Hauch von Ekel. Jeder ist bedacht, alles ordentlich zu hinterlassen und Wartezeiten gab es auch nie. Das FrĂŒhstĂŒck, Toast, Butter, Marmelade, Tee oder Kaffee, ist einfach. Aber es ist möglich, im KĂŒhlschrank weitere Lebensmittel einzulagern und sogar die KĂŒche zu benutzen, um z.B. Eier zuzubereiten. Da wir aber bereits um 7:15 Uhr mit dem Auto Richtung Insel aufbrechen, hat keiner wirklich Zeit fĂŒr solche Aktionen.

Nach 30 Minuten Autofahrt erreichen wir die Ablegestelle von unserem Boot, das uns auf die Insel der Orang-Utans bringen wird. Nach 20 Minuten Fahrt kommen wir an. Der erste Eindruck: es ist alles sehr gepflegt und hat etwas von „Jurassic Park“. SpĂ€ter stellt sich heraus, dass die Orangs (aktuell 18 Tiere) die ganze Insel fĂŒr sich haben und die Besucher in KĂ€figen sind – und das ist gut so. Alle sind gespannt endlich die Tiere zu sehen, aber das erste, was wir wahrnehmen, ist der intensive Geruch. Dann endlich das erste Aufeinandertreffen. Wir werden sehr eindringlich gewarnt, nicht zu nahe an die KĂ€fige heranzugehen und die festen Mitarbeiter, die „Rangers“, weichen uns nicht von der Seite. Die Tiere meinen es nicht böse, aber sie haben einfach eine unglaubliche Kraft in den HĂ€nden, also halten wir Sicherheitsabstand. Dann geht es sofort los.

Meist arbeiten wir in Zweier-Teams, sowohl die Arbeiten als auch die Teams werden tĂ€glich gewechselt. Zuerst bekommen die Orangs Milch und ihre Vitamine, manchmal Toast. Dann geht es raus ins FreigelĂ€nde, das erste Extra fĂŒr uns. Matt und ich dĂŒrfen Jidin, einen vierjĂ€hrigen Orang-Utan, an der Hand raus fĂŒhren, eines der tĂ€glichen Highlights. Der Auszug erfolgt tĂ€glich nach dem gleichen Ritual. Trotzdem werden wir jeden Tag zuschauen, wie zuerst die Mamis Nicky und Baboon mit ihren Babys Mannu und Cha-Cha und dann das Alpha-Tier „BJ“, 32 Jahre, sich auf den Weg machen. Nun machen wir die KĂ€fige sauber. Gummistiefel, Handschuhe, Gesichtsmasken, ChlorschĂŒrzen werden nach Bedarf gestellt. Von zuhause habe ich meine Latzhose von der Gartenarbeit mitgebracht und bin damit sehr froh. Ich bin beeindruckt, wie grĂŒndlich die Nachtlager gereinigt werden. Zuerst werden die JutesĂ€cke, die sowohl als Spielzeug, Kuscheldecke, Versteck dienen, entfernt. Es folgt der grobe Schmutz (Obstreste, Stuhlgang, Spielzeug), er wird zusammengekehrt, alles wird mit Chlorwasser geschrubbt, mit dem Dampfstrahler gereinigt und mit einer Gummilippe abgezogen. Danach bereiten wir fĂŒr spĂ€ter die FrĂŒchte, ReisbĂ€lle, Saft vor, reparieren ZĂ€une, reinigen das GelĂ€nde, streichen WĂ€nde.

In der Mittagspause nehmen wir unser Essen zu uns, das jeden Morgen kurz vor Abfahrt in Lunchboxen angeliefert wird. FĂŒr mich wird extra eine fleischlose Variante zubereitet. Wir spielen Karten, halten ein MittagsschlĂ€fchen oder schauen Orang-TV. Ich werde nie mĂŒde, Jidin, Kate und Lipoh zuzuschauen. Egal wie heiß es ist, die „Bande“ hat immer etwas zu tun und hat großen Spaß am herumtollen, schwingen, klettern und am Menschen beobachten. Meist treten wir um 15 Uhr die RĂŒckreise an, sodass wir genĂŒgend Freizeit haben, bis es um 18 Uhr Abendessen gibt.

In LaufnĂ€he gibt es eine tolle WĂ€scherei, die ĂŒber Nacht sehr gĂŒnstig und ordentlich arbeitet (bezahlt wird nach Gewicht, 6-8 Teile, 1 €), Studios mit Öl- oder Thai-Massagen (1 Stunde 13 €), McDonalds, KFC, Pizzahut (wer's braucht), einen 7/11, eine Drogerie, eine große Mall (war nie drin, aber alle sagen, es gibt alles), die wunderschönen Lake Gardens. Ca. 12 Minuten entfernt ist der lokale Busbahnhof mit den sogenannten „red und blue busses“. Am Wochenende ist frei und es bietet sich an, mit dem Bus/FĂ€hre den Inseltraum Pulau Pangkor zu besuchen. Auch Georgetown/Penang ist sehenswert und gut zu erreichen. Die Coronation Pools am Fuße des Bukit Larut/Maxwell Hill sind einen Besuch wert. Es handelt sich um ein Schwimmbecken, das mit erfrischendem Wasser von den Bergen gespeist wird. Allerdings ist es mehr zum schwimmen oder Bahnen ziehen geeignet, wirkliche Liegewiesen gibt es keine.

Ich habe den Hausberg bestiegen, 1.250 m, 26 Kilometer, der Weg ist einfach zu finden aber bei der Hitze und besonders der Luftfeuchtigkeit nicht jedermanns Sache. Wichtig – genug Wasser mitnehmen! Der Weg ist zugleich Fahrstraße fĂŒr Jeeps. Man kann wohl auch eine Fahrt buchen, um die tolle Aussicht auf die Stadt und die sehenswerte Rest-Area zu genießen. Yin und auch Ken, die guten Seelen des Hauses, stehen immer mit Rat und Tat zur Seite, wenn es Fragen gibt. Überhaupt sind immer alle sehr bemĂŒht, hilfsbereit und zeitnah aktiv, egal ob Toilettenpapier fehlt oder ein Taxi bestellt werden muss.

Der Abschied von den Menschen, mehr aber noch von den Orang-Utans ist mir sehr schwer gefallen. Ich hatte nicht zu hoffen gewagt, in dieser kurzen Zeit von 3 Wochen so etwas wie eine Beziehung zu einzelnen Tieren aufbauen zu können. Abschließend kann ich die Arbeit in diesem Projekt nur empfehlen und die Betreuung durch Auszeit weltweit war sowohl im Vorfeld als auch wĂ€hrend meines Aufenthaltes sehr persönlich und umfassend – perfekt!



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