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Freiwilligenarbeit Guatemala - Dana

 
5 Wochen Guatemala

Am 28. Januar 2017 ging meine Reise los. Morgens bin ich aus Hannover über Paris und Panama City nach Guatemala City geflogen. Zum Glück gab es keine Zwischenfälle und ich kam nach etwa 20 Stunden endlich an. Da es bei meiner Ankunft in Guatemala gerade mitten in der Nacht war, habe ich die erste Nacht in einem Hostel ganz in der Nähe vom Flughafen geschlafen. Nicht besonders lange, da ich um 5.30 schon wieder aufstehen musste. Um 6 Uhr sollte nämlich mein Shuttle nach Antigua kommen. Ich wurde aber direkt in die etwas andere lateinamerikanische Mentalität eingeführt, denn fast 4 Stunden später wurde ich dann tatsächlich abgeholt. Dafür konnte ich die Zeit nutzen, mich beim Frühstück gleich ein bisschen mit der Hostelbesitzerin zu unterhalten und ein paar Tipps zu Supermärkten, Busverbindungen usw. einzuholen.

Mittags kam ich dann endlich in meiner Unterkunft in Antigua an. Ein bisschen anders, als ich mir das zunächst vorgestellt hatte, aber super schön! Es war nicht wirklich eine Gastfamilie, bei der ich die nächsten Wochen leben würde, sondern eher ein Guesthouse, außer mir waren meistens noch bis zu 6 weitere Leute dort. Ich hatte aber mein eigenes Zimmer und direkten Zugang zur Dachterasse mit Hängematte. Dort würde ich während meiner Zeit hier auch noch so einige Stunden verbringen...

Direkt am nächsten Tag ging es los mit dem Spanischunterricht in der Sprachschule. Von Anfang an hat mir das riesigen Spaß gemacht. Ich hatte eine supertolle Lehrerin, die mir in kürzester Zeit wirklich erstaunlich viel beibringen konnte. Ich hatte eine Woche lang jeweils 4 Stunden lang täglich Unterricht. Am Nachmittag habe ich auch ein bisschen weiter gelernt, da ich wusste, dass ich mich echt reinhängen musste, wenn ich in einer Woche die Grundlagen lernen wollte. Ich habe aber schnell wieder festgestellt, dass es echt um einiges einfacher ist, eine Sprache vorort zu lernen, da ich alles direkt anwenden konnte. In meiner Gastfamilie habe ich meine Fortschritte am meisten bemerkt, da ich dort jeden Tag etwas mehr verstanden und mich sogar am Ende gut mit ihnen unterhalten konnte.

Meine Sprachschule hatte super Freizeitangebote. Ich habe einen Salsa-Schnupperkurs gemacht, eine Fahrradtour durch Antigua mit Mountainbikes und es gab sogar eine Happy Hour, in der es alle Getränke umsonst gab. Dort habe ich auch schon viele neue Leute kennengelernt, mit denen ich teilweise bis zum Ende meines Aufenthalts viel unternommen habe und auch weiterhin in Kontakt mit ihnen bleiben werde.

Mein erstes Wochenende habe ich in Antigua verbracht. Am Samstag habe ich erst alleine und später auch noch mit einer kanadischen Freundin aus der Sprachschule die Stadt erkundet. Nur etwa 5 Minuten von meinem Haus entfernt gab es einen riesigen Markt mit allem, was man sich nur vorstellen konnte. Von Zahnpasta über Elektronik bis Obst und allem möglichen Essen konnte man einfach alles finden. Es war toll, einfach nur dort herumzulaufen, da man immer neue Ecken entdecken konnte.

Am Sonntag sind wir mit ein paar Leuten aus der Schule dann zum Topspiel von Antigua gegangen. Es war echt interessant, so etwas mal zu sehen, denn es war komplett anders, als ein Erstligaspiel in Deutschland. Abgesehen davon, dass das Stadion natürlich viel kleiner war, war auch das Niveau des Fußballs eher mit einem U14-Spiel zu vergleichen. Die Stimmung war trotzdem super und wir durften sogar für´s guatemaltekische Fernsehen „Bienvenidos a Guatevision!“ in die Kamera brüllen.

Nach dieser schon sehr ereignisreichen Woche ging es dann aber am Dienstag endlich mit meinem eigentlichen Projekt los: Die Arbeit im Tierheim “Animal Aware” bei Sumpango, einem kleinen Dorf etwa 45 Minuten mit dem Bus von Antigua entfernt. Am ersten Tag haben die beiden Besitzer Xeni und Martin mich mit dem Auto mitgenommen, weil sie ein paar Dinge in Antigua zu erledigen hatten. Am nächsten Tag musste ich dann aber alleine mit dem Bus hinkommen. Und diese Anreise mit dem berühmten „Chicken Bus“ war ein Abenteuer für sich. Die erste Hürde lag bereits darin, die Bushaltestelle in Antigua zu finden. Die gibt es nämlich nicht, oder zumindest nicht in der Form, wie ich es aus Deutschland und anderen Ländern kannte. Man stellt sich einfach an den Straßenrand (man muss nur wissen wo der Bus langfährt, dank dem lauten Gebrülle der Busfahrer: „Guate Guate Guatemalaaaaa“ zum Glück kein Problem) und wartet, bis einer der beeindruckenden bunten Busse vorbei kommt. Das geht auch meistens echt schnell. Der Bus hält dann einfach da an, wo eine Person einsteigen will und man hat dann etwa eine halbe Sekunde Zeit zum einsteigen, bevor es mit einem Affentempo weiter geht.

Auf jeden Fall saß ich schließlich im richtigen Bus in Richtung Guatemala City, umsteigen musste ich dann in San Lucas. Ich musste gut aufpassen, denn wenn man sich nicht bemerkbar macht, dass man aussteigen möchte, rast der Bus einfach weiter. Glücklicherweise mussten viele Leute in San Lucas raus und ich folgte ihnen schnell aus dem Bus. Nun musste ich über eine Brücke auf die andere Seite der Straße gehen, um dort den nächsten Bus nach Sumpango zu nehmen. Auch das war kein Problem, da laut „Chimatenangooo, Sumpangoooo!“ geschrien wurde. Ich stieg ein und wartete bis wir Sumpango erreicht hatten. Doch während der Busfahrt entdecke ich die Stelle, an die ich mich vom Vortag erinnerte, als ich mit den Besitzern des Tierheims mit dem Auto hergefahren bin. Doch bevor ich mich versah, raste der Bus weiter. Es gab keine Gelegenheit noch auszusteigen, also blieb mir nichts anderes übrig, als an der Haltestelle in Sumpango auszusteigen. Mit meinem gebrochenen Spanisch probierte ich, mich nach Animal Aware zu erkundigen und tatsächlich konnte mir ein “pompiero“ von der freiwilligen Feuerwehr weiterhelfen. Er erklärte mir, ich solle einfach mit dem nächsten Bus zurück bis Santo Domingo Xenacoj fahren, also der Ort wo ich die Dirt Road wiedererkannt hatte, aber nicht schnell genug aussteigen konnte. Es kam direkt ein Bus und ich fuhr die paar Kilometer wieder zurück. Immerhin war ich jetzt schon auf der richtigen Seite des Highways. Ich lief etwa 15 Minuten die unbefestigte Straße hoch, bis ich endlich das Tor von Animal Aware sah. Zu der Zeit waren gerade zwei weitere Freiwillige aus Spanien da, die dort auf dem Gelände im Volunteer´s House lebten. Sie zeigten mir alles und erklärten mir den ungefähren Tagesablauf. Morgens mussten erstmal alle Hunde, die nachts in der Tierklinik schlafen, eine kurze Runde Gassi gehen. Danach sind die Welpen dran. Gegenüber von der Klinik sind zwei Welpengruppen mit jeweils 6 Hunden in Ställen untergebracht. Die haben wir dann alle zusammen runter zu einer eingezäunten Fläche gebracht, wo sie sich ein bisschen austoben konnten. Es war echt verrückt mit 12 Welpen da drin zu sein, weil mindestens 3 von ihnen konsequent auf einen drauf gesprungen sind. Sich hinzusetzen ohne von oben bis unten abgeschleckt zu werden war nahezu unmöglich. Aber es war eins der schönsten Dinge während meines Aufenthalts hier; diese Freude in den Augen der kleinen Welpen zu sehen, wenn man sie zum spielen mitnimmt.

Danach war die größte Welpengruppe dran: Die “Aguacates”, also die Avocados. Diesen Namen haben sie zurecht von den Spaniern zugewiesen bekommen, da sie alle auf dem Weg in den Spielbereich Avocados suchen und mit den Kernen spielen. Die neun Welpen aus dieser Gruppe waren schon etwas älter als die anderen, aber deshalb kein bisschen weniger verspielt.
Nach dieser Routine am Morgen folgten mittags dann weirere verschiedene Aufgaben.

Manchmal habe ich Näpfe abgewaschen, mal Hunde gebürstet, andere mussten gewaschen werden, die Ställe mussten sauber gemacht werden und vieles mehr. Ab und zu mal habe ich auch der Tierärztin Grethel, einer Tiermedizinstudentin, die bei Aware gerade ihr Praxissemester macht, geholfen Spritzen oder Medikamente zu geben. Je nachdem was alles so zu tun war, haben wir dann gegen 14 Uhr Mittagspause gemacht. Meine Gastmutter hat mir jeden Tag ein Lunchpaket mitgegeben.
Nachmittags gegen 15 Uhr stand immer die Welpenfütterung an, jedesmal eine große Show. Da man ihnen unmöglich einfach Näpfe in den Stall stellen kann, da sie sich gegenseitig um das Futter zerfleischen würden, mussten immer zwei Welpen auf einmal auf einen Tisch draußen vor der Klinik gehoben werden, wo sie dann ungestört von anderen Hunden fressen konnten. Wir haben also die Welpengruppen nacheinander aus ihren Ställen gelassen und immer zwei zum Fressen auf den Tisch gesetzt. Wirklich ungestört fühlten sich die Hundebabys allerdings nie. Verständlich, da der Rest aus der Gruppe ständig versuchte, auch auf den Tisch zu springen und Futter zu klauen. Einige Welpen waren deshalb so gestresst, dass sie das ganze Fressen wieder rausgebrochen haben. Aber innerhalb von wenigen Sekunden war die Masse dann schon wieder drin…

Vielleicht nicht die allerbeste Methode, die Welpen zu füttern, aber mit so wenigen Leuten gibt es einfach keine bessere Alternative. Eine Person musste nämlich immer, während die Hunde fraßen die Ställe sauber machen, damit man sie danach direkt wieder hineinbringen konnte.
Zum Ende des Arbeitstages haben wir meistens Grethel in der Klinik geholfen, Futter zu verteilen und die Käfige sauber zu machen. Zwischen 16 und 17 Uhr waren wir dann meistens fertig. Dann bin ich manchmal mit Grethel zusammen mit dem Bus nach hause gefahren, doch meistens hat Luis, ein freiwilliger guatemaltekischer Mitarbeiter, der wenn er Urlaub bei der Polizei hat immer im Tierheim mithilft, uns beide mit dem Auto nach Hause gebracht.

Um 18:30 Uhr gab es dann in meiner Gastfamilie immer Abendessen. Dieses bestand häufig aus schwarzen Bohnen, Gemüse, Eiern, Tortillas und manchmal Fleisch. Abends nach dem Essen habe ich mich oft noch mit Freunden in Antigua getroffen.

An den Wochenenden habe ich verschiedene Ausflüge gemacht. Einer von ihnen führte zum Vulkan Acatenango, etwa 1 1/2 Stunden mit dem Shuttle Bus von Antigua entfernt. Mit zwei Freundinnen aus der Sprachschule bin ich morgens um 8 Uhr von der Schule aus losgefahren. Es waren noch etwa 12 weitere Leute dabei, die dieselbe zweitägige Tour machen würden. Wir waren eine lustige, buntgemischte Gruppe aus Kanadiern, Amerikanern, Belgiern, Holländern, Australiern, einem Chinesen, Guatemalteken und auch einigen Deutschen. Als wir mit dem Bus angekamen, wurden uns erstmal Schlafsäcke, Isomatten und Zelte verteilt. Wir mussten alles selber hochtragen, zusätzlich zu 5 Litern Wasser, Essen und warmen Klamotten für oben.

Als alle versorgt waren ging es endlich los. Der Anfang war relativ steil, aber bereits nach einer halben Stunde wurde man mit dem ersten tollen Ausblick belohnt. Ich, schon völlig fasziniert am Fotos machen, wurde schnell von unserem Guide aufgeklärt, dass ab jetzt alle 10 Minuten die Schönheit der Aussicht exponentiell ansteigen würde und ich besser weiter oben Fotos machen sollte. Das war ein wertvoller Tipp für meinen armen Handyspeicher, der hier ohnehin schon so einiges mitmachen musste.

Es ging weiter. Manche Stellen waren echt mühsam, aber zum Glück ging es auch ab und zu mal relativ flach weiter. Nach ein paar Stunden haben wir dann Mittag gegessen. Danach hätte ich echt ein Mittagsschläfchen vertragen aber natürlich ging es direkt weiter. Kurz vor Sonnenuntergang kamen wir dann auch endlich an die Stelle, wo wir die Nacht schlafen würden. Wir bauten schnell die Zelte auf und setzten uns dann alle um das Lagerfeuer, das unser Guide gemacht hatte. Wir aßen unsere Cup Noodles und bekamen sogar heiße Schokolade. Das Wasser haben wir am Feuer heiß gemacht. Das war wirklich ein unglaubliches Gefühl abends im Nichts zu sitzen, es gab nicht mal Toiletten da oben, und am Lagerfeuer mit lauter Fremden zu sitzen, die einem aber überhaupt nicht fremd vorkamen. Das ist das tolle, vor allem wenn man alleine reist. Man baut unglaublich schnell vertraute und freundschaftliche Beziehungen zu anderen Reisenden auf. Wir haben uns auf allen möglichen Sprachen unterhalten und den atemberaubenden Vulkanausbrüchen zugeschaut. Bei Nacht war das nochmal spektakulärer, da man das feuerrote Lava richtig glühen sehen konnte.

Dann gingen wir schlafen, denn am nächsten Morgen würden wir schon um 4 Uhr aufbrechen, um rechtzeitig zum Sonnenaufgang auf der Spitze zu sein.
Es war unglaublich kalt als wir morgens im Stockdunkeln losliefen. Vielleicht auch ein Grund, weshalb nur etwa die Hälfte meiner Gruppe tatsächlich mitkam. Es war sehr verlockend, einfach im Schlafsack liegen zu bleiben, aber wenn ich schonmal hier bin, dachte ich mir, werde ich mir das beste garantiert nicht entgehen lassen, das kam nicht in Frage. Glücklicherweise war immerhin Vollmond, sodass wir wenigstens ein bisschen Licht hatten. Auch wenn es nur eineinhalb Stunden waren, war dieser letzte Teil des Aufstiegs nochmal echt hart. Es ging fast ausschließlich steil bergauf. Noch schlimmer war aber, dass der Weg nur aus Sand bestand und man die ganze Zeit abrutschte, was das Ganze noch anstrengender machte.

Dann konnte man endlich die Spitze sehen, doch das hieß längst nicht, dass man so gut wie da war. Ab diesem Moment zog es sich nochmal lang hin und es wurde immer kälter und windiger. Der ganze Sand wurde einem ins Gesicht gepustet und meine Finger konnte ich vor Kälte auch kaum noch bewegen. Handschuhe wären wohl doch sinnvoll gewesen hier oben. Ich muss auch ehrlich sagen, dass ich die Kälte wohl etwas unterschätzt habe. Ich dachte, dass ich abgehärtet bin durch das eklige Winterwetter in Deutschland und dass es in Guatemala schon nicht sooo kalt sein könnte, doch da habe ich mich geirrt. Zum Glück hatten die Australier noch ein Paar Handschuhe über, das sie mir netterweise gegeben haben. Mein erster Lebensretter.

Und dann hatten wir es auch tatsächlich geschafft. Wir standen oben auf der Spitze. Gerade rechtzeitig zum Sonnenaufgang. Und rechtzeitig zu einem Vulkanausbruch von Fuego. Ich war mehr als überwältigt von dem atemberaubenden Panorama, das mir hier geboten wurde. Ich konnte mich nicht entscheiden, in welche Richtung ich gucken sollte, denn egal wo ich hinsah bewunderte ich die unglaubliche Schönheit der Natur. Vermutlich spielte meine Erschöpfung da auch etwas mit, aber es war zweifellos einer der faszinierendsten und unvergesslichsten Momente in meinem Leben.

Doch meine Bewunderung wurde von beißender Kälte gestört, es war so windig, dass ich mich komplett zurücklehnen konnte, ohne hinzufallen. Und dann kam Lebensretter Nummer 2. Wie aus dem Nichts lief plötzlich ein schwarzer Hund in unsere Richtung. Ich ging ihm vorsichtig entgegen und setzte mich hin. Daraufhin setzte er sich einfach direkt auf meinen Schoß. Ich konnte mein Glück nicht fassen und kuschelte mich an den flauschigen Vierbeiner. Ich hätte nicht gedacht, dass dieser Moment auf der Spitze noch besser werden könnte, aber dieser Hund hat es geschafft, alles nochmal zu toppen.

Schließlich machten wir uns wieder auf den Rückweg zu den Zelten. Der Abstieg war richtig spaßig. Anstatt den Umweg zu gehen, wie wir hochgekommen waren, nahmen wir einfach die Abkürzung. Eine riesige Sandpiste sollte uns herunter führen. Erst dachte ich, unser Guide macht Witze, aber als er wie auf Skiern herunter schlitterte, folgten wir ihm alle wortlos. Bis auf den steinigen Sand, der uns in die Schuhe quillte, war das definitiv die angenehmste und vor allem schnellste Variante, um runter zu kommen. Es fühlte sich echt wie Ski fahren an, sogar die Kälte passte.

Als wir an den Zelten ankamen, waren unsere zurückgeblieben Freunde inzwischen auch wach und hatten bereits mit dem Abbau der Zelte begonnen. Wir packten nur noch schnell unsere Sachen zusammen, aßen ein bisschen was zum Frühstück und setzten unseren Weg nach unten fort. Zum Glück war das deutlich weniger anstrengend, denn wir waren alle ziemlich erschöpft. Mittags kamen wir dann wieder am Bus an und fuhren zurück nach Antigua. An der Sprachschule angekommen wollte ich nur noch eins: Mit einer Pizza auf meiner Dachterrasse in der Hängematte liegen. Das war mir gegönnt und ich verbrachte einen entspannten Nachmittag und Abend zu Hause. Am nächsten Tag musste ich ja schon wieder mit den Hunden um die Wette rennen.

Die nächste Woche im Tierheim war ganz normal wie immer. Die Spanier hatten am Mittwoch ihren letzten Tag, aber glücklicherweise waren inzwischen zwei Engländer angereist.

Am Freitag fuhr ich dann mit Freunden zum Lake Atitlan nach San Pedro. Der See ist ungefähr vier Stunden von Antigua entfernt. Um nach San Pedro zu kommen, haben wir dann noch eine weiter halbe Stunde mit dem Boot gebraucht. Obwohl das Wetter eher mittelmäßig war, hatten wir eine wundervolle Zeit am See. Im Gegensatz zum vorherigen Wochenende war es Entspannung pur. Wir gingen abends gemütlich essen, schliefen am nächsten Tag aus und gingen dann eine Runde Kayak fahren. Ein Freund, den ich in Antigua kennengelernt hatte war seit zwei Wochen in San Pedro und zeigte mir ein paar schöne Ecken des kleinen Städtchens am See.

Nachmittags ging ich mit meinen Freundinnen in ein super tolles Café, in dem man auf Schaukeln mit Kaffee und Waffeln den Blick auf den schönen Lago Atitlan genießen konnte.

Abends aß ich für nur 15 Quetzales (etwa 2 Euro) super leckeres Street Food vom Grill, bestehend aus Guacamole, Kartoffeln, Fleisch, Tortillas und Bohnen. Danach gingen wir in eine angesagte Disco in San Pedro und lernten dort vier super witzige Guatemalteken aus Quetzaltenango (auch “Xela” genannt) kennen. Sie brachten uns ein paar Wörter auf “chapin” , dem guatemaltekischen Dialekt bei.
Am nächsten Morgen nahmen wir gegen 11 Uhr das Boot zurück zum Auto und fuhren entspannt wieder nach Antigua. Dort gingen wir abends noch indisch essen und liefen noch ein bisschen in der Stadt herum, bevor ich wieder nach Hause zurück kam. Jetzt waren es tatsächlich nur noch weniger als 2 Wochen, die ich noch in Guatemala hatte. Die Zeit verflog einfach unglaublich schnell.

In der nächsten Projektwoche im Tierheim kamen zwei weitere Freiwillige dazu. Aus England und aus Australien. Leider verletzte sich die Australierin bereits an ihrem zweiten Tag am Fuß und konnte nicht mehr weiter helfen. Aber immerhin waren wir dann noch vier Leute, was schonmal eine gute Zahl ist. Ich hatte angefangen, ein paar Welpen herauszunehmen und zu trainieren. Anfangs hatte ich es noch in der Gruppe versucht, musste aber feststellen, dass das einfach unmöglich war. Also nahm ich immer einen oder zwei heraus und brachte ihnen "Sitz”, “Platz” und “Gib Pfote” bei. Es war schön zu sehen, wie nach und nach ein paar Hunde anfingen, sich zu benehmen und nicht mehr wie wild an einem hoch zu springen, sondern sich auf Kommando hinsetzten und einem die Pfote zustreckten.

Am Freitag Abend gingen wir Freiwilligen alle zusammen in Antigua etwas trinken und unterhielten uns über das Tierheim. In der relativ großen Bar kam ausgerechnet zu uns dann ein Hund unter den Tisch getappt. Da hatte er genau die richtigen gefunden.
Für den nächsten Tag hatte ich mir einen weiteren Kurs in der Sprachschule gebucht, da ich mein letztes Wochenende noch einmal nutzen wollte, um so viel wie möglich Spanisch mit zu nehmen. Ich freute mich riesig, meine Lehrerin wieder zu sehen und obwohl wir anstrengende Grammatikübungen zu vier verschiedenen Zeitformen machten, machte es mir mal wieder total viel Spaß. Eigentlich wollte ich auch am Sonntag noch ein paar Stunden nehmen, aber Cristina erklärte mir, dass sie am nächsten Tag mit ihrer Familie und Freunden an den Strand fahren wollte und fragte mich, ob ich auch mitkommen wolle. Das ließ ich mir nicht entgehen und sagte ihr direkt zu.
Am Nachmittag schlenderte ich noch mal über meinen geliebten Markt und machte ein paar letzte Besorgungen. Es war schon ein bisschen traurig, dass ich in genau einer Woche schon wieder am Flughafen sein würde...

Doch mein letzter Sonntag in Guatemala sollte noch mal richtig schön werden. Bereits um 5 Uhr morgens fuhren wir mit einem Bus zum Strand, sodass wir um 9 Uhr da waren.

Cristina hatte zwar schon erwähnt, dass das kein typischer Touristen Strand ist, sondern einer, zu dem die “Einheimischen” gingen, aber es war wirklich den ganzen Tag keine einzige westlich aussehende Person zu sehen. Es war eine tolle Erfahrung, mal so einen richtig guatemaltekischen Ort ohne jeglichen Tourismus zu sehen. Die Familie meiner Lehrerin war auch super nett und ich hatte den ganzen Tag die Gelegenheit, mein Spanisch anzuwenden. Cristinas Bruder ist auch Lehrer an einer Sprachschule und die beiden haben bei mir echt keinen Fehler und auch kein Wort Englisch durchgehen lassen. Gegen 16 Uhr fuhren wir dann wieder zurück nach Hause.

Meine letzte Woche im Tierheim stand nun bevor. In der Nacht von Montag auf Dienstag habe ich mit Luis drei Welpen zum Flughafen gebracht, die in Kanada ein neues zu Hause gefunden hatten. Ich war überglücklich und traurig zu gleich, als ich die drei in ihren Transportkäfigen an die Mitarbeiter am Flughafen übergab. Aber die große Freude, dass die Hunde bald in ihrer neuen, liebenden Familie sein würden, konnte am Ende echt überwiegen.

Am Donnerstag fand ich einen schwangeren Hund mit verletzter Vorderpfote auf der Straße. Sie sah noch recht jung, aber sehr kraftlos aus. Sie konnte sich mit ihrer Verletzung kaum fortbewegen. Wir brachten sie sofort zum Tierarzt, der direkt eine gute und eine schlechte Nachricht für uns hatte. An der Pfote konnte man leider nichts mehr retten. Sie würde amputiert werden müssen. Dafür konnte er Lebenszeichen von allen Babys erkennen, welchen er noch maximal eine Woche in Mamas Bauch gab, bevor sie das Licht der Welt erblicken würden. Überglücklich nahmen wir sie mit ins Tierheim und versorgten sie. Ich wusste allerdings, dass ich die kleinen Welpen leider nicht mehr live sehen würde. Meine Freunde versprachen aber, mir Fotos zu schicken, sobald die Kleinen geboren sind.

An meinem letzten Tag fiel es mir extrem schwer, mich von allen zu verabschieden. Sowohl die Tiere, als auch die ganzen Freunde, die ich dort kennengelernt hatte, waren wie eine Familie geworden. Schweren Herzens fuhr ich schließlich zurück nach Hause. Am Abend ging ich noch mit ein paar Freunden in die Bar bei unserer Sprachschule und probierte, das beste aus dem letzten Abend in diesem wundervollen Land herauszuholen. Gepackt hatte ich noch nicht wirklich, da mich das immer zu sehr an die Rückkehr denken lässt. Am Morgen des Abflugtages hatte ich auch noch genügend Zeit. Ich verabschiedete mich von meiner Gastfamilie und wurde dann von Luis abgeholt, der mich netterweise zum Flughafen fuhr. Obwohl wir echt früh dran waren, hat mir ein Stau auf der Strecke nach Guatemala City einen kurzen Schrecken eingejagt, aber zum Glück hat dann alles noch geklappt und ich war immernoch pünktlich am Flughafen. Über Mexiko City und Amsterdam ging es nun wieder zurück nach Hannover.

Doch ein Teil von mir ist wirklich ein bisschen an Guatemala hängen geblieben. Ich hatte eine unvergesslich tolle Zeit und werde ganz sicher wieder in das wunderschöne Guatemala zurück kommen!



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