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Freiwilligenarbeit Ghana - Sandra

 
2 Monate in Ghana

Meine Zeit in Ghana war mit die schönste und aufregendste Zeit in meinem Leben und ich kann nur jedem empfehlen dort hinzugehen und seine eigenen Erfahrungen zu machen.

Am Flughafen in Accra angekommen stand mir der erste Kulturschock bevor. Die v√∂llig schw√ľle, staubige Luft, und die enorme Ger√§uschkulisse waren enorm. ‚Ä®Nachdem ich dann endlich durch die vielen Sicherheitskontrollen durch war, habe ich sofort jemanden gesehen, der ein Schild mit dem Namen meiner Organisation hochhielt. In einem Taxi, das hier in Deutschland wohl schon l√§ngst keinen T√úV mehr bekommen h√§tte, ging es dann ca. eine Stunde lang zum Hotel der Organisation. Dort angekommen war ich ziemlich mir selbst √ľberlassen. Nach einem Essen ging es dann schlafen. Es hie√ü, dass ich am n√§chsten Morgen zum Fr√ľhst√ľck hochkommen sollte und dann alles weitere besprochen w√ľrde. Als ich nach der Uhrzeit gefragt habe, habe ich einen ersten Einblick in die ghanaische Kultur bekommen. Ich solle einfach kommen, sobald ich ausgeschlafen habe. Uhrzeiten w√§ren hier nicht so wichtig.

Abends wurde mir noch eine T√ľte gef√ľllt mit Wasser in die Hand gedr√ľckt. Das ist dort das normale Gef√§√ü f√ľr Wasser. Man bei√üt, man lernt es schnell! ;)‚Ä® Um 5 Uhr morgens hat mich dann tats√§chlich das Kr√§hen der vielen H√§hne, die Ges√§nge (oder das Schreien?) aus den Kirchen und der allt√§gliche L√§rm auf den Stra√üen geweckt. Ausschlafen in Ghana ist tats√§chlich unm√∂glich. ;)

‚Ä®Mein Einf√ľhrungsseminar bestand aus ausgiebigen Gespr√§chen mit meiner sehr lieben Mentorin. Mit ihr bin ich auch in die Stadt gefahren - da ging der Kulturschock weiter. Die vielen ‚ÄěObruni‚Äú-Schreie auf den Stra√üen haben mich die gesamten 2 Monate begleitet. Obruni bedeutet ‚ÄěWei√üer‚Äú und ist der Rufname f√ľr eine wei√üe Person, deren Namen du noch nicht kennst. ‚Ä®In der Stadt habe ich mir eine Simkarte besorgt. Ich war froh, dass ich mein Smartphone zus√§tzlich zu meinem alten Handy mitgenommen habe, da ich mir f√ľr 50 ct eine zweite SIM-Karte gekauft habe und f√ľr monatlich 4‚ā¨ 1,5 GB Internet auf meinem Smartphone hatte. So musste ich nicht abends im Dunkeln durch die Stra√üen zum Internetcaf√© laufen, sondern hatte alles bequem auf meinem Handy und zuhause.‚Ä®‚Ä®

Nach ein paar Tagen ging es dann in die Gastfamilie. Dazu bin ich zum ersten Mal in das meistbenutzte und billligste Verkehrsmittel in Ghana gestiegen, das Trotro. Das sind umgebaute Kleinbusse, in die viel zu viele Menschen reingequetscht werden. Am Anfang fand ich die Fahrten schrecklich. Es war nicht nur viel zu eng, sondern durch die vielen Schlaglöcher wurden Beine und Kopf ständig gegen das harte Metall geschleudert. Aber man gewöhnt sich an alles. Irgendwann hat man den Dreh raus, sich im richtigen Moment festzuhalten oder in eine bestimmte Richtung zu lehnen. Inzwischen vermisse ich das Trotro fahren sogar. Man kann dort so schön die Gegend betrachten! 


Zu den Verkehrsmitteln in Ghana ist au√üerdem zu sagen, dass man tags√ľber damit wirklich √ľberall hinkommt. Ich glaube, man ist in Ghana niemals aufgeschmissen und wei√ü nichtmehr, in welche Richtung es jetzt weitergeht. Solange man den Zielort wei√ü, kann man an Trotro-Stationen alle Menschen fragen, wohin man gehen soll.‚Ä® Au√üerdem habe ich mich in Ghana, solange ich tags√ľber unterwegs war(!), immer sicher gef√ľhlt. Stra√üensperren oder andere √úberf√§lle kommen dort eigentlich nur nachts vor. Ich selbst habe eigentlich keine kritische Situation erlebt. ‚Ä®‚Ä®Ghanaer sind die Ruhe selbst.

Angekommen in der Gastfamilie sollte ich erst einmal 2 Tage warten, bis ich mit der Arbeit beginne, damit ich mich an alles gew√∂hnen und (ganz wichtig in den Augen der Ghanaer!) mich ausruhen konnte. Das war eine Einstellung, die die Menschen dort auch selbst sehr pflegen. Wenn Ghanaer nicht ausgeruht sind, gehen die meisten einfach nicht zur Arbeit.‚Ä® Mein Zimmer war riesengro√ü und ich hatte ein eigenes Doppeltbett. Die Matratze war komplett durchgelegen, aber es war trotzdem ein sehr luxuri√∂ses Zimmer, was das Bett anbelangt. In einem Anbau waren Dusche und WC. Wobei das WC ein Plumpsklo war (man lernt ganz schnell, nur dann aufs Klo zu gehen, wenn es nicht mehr anders geht!!) und die Dusche nur eine Kabine war, deren T√ľr mir bis zum Hals ging. Ich habe also meinen Eimer Wasser mit in die Kabine genommen, und mir mit einem kleinen Eimerchen Wasser √ľbergesch√∂pft. Das war wirklich sch√∂n! Das eiskalte Wasser bei der Hitze kann richtig gut tun ;)

Obwohl ich in der Regenzeit in Ghana war, hat meistens die Sonne geschienen. Es kommt ungef√§hr einmal am Tag ein heftiger Regenschauer, aber danach wird es wieder trocken und hei√ü. Mich hat die Regenzeit eigentlich nicht gest√∂rt ‚Äď im Gegenteil! Es war viel mehr eine angenehme Erfrischung bei der dauerhaften Hitze. ‚Ä®Meine Gastfamilie bestand aus meiner Gastmutter, 2 deutschen Freiwilligen, die ein ganzes Jahr in Ghana verbracht haben, meinem Gastvater, der meistens gesch√§ftlich unterwegs war, meiner 20-j√§hrigen Gastschwester, die in Kumasi studiert hat (also nicht zuhause war) und einem kleinen Gastbruder, der allerdings nur einmal gesehen habe, da er wegen der N√§he zur Schule bei seinen Gro√üeltern gewohnt hat.‚Ä® Also eigentlich war meine Gastfamilie nur meine Gastmutter, die wenn sie nicht gearbeitet hat, entweder vor dem Fernseher, in der K√ľche oder in der Kirche war. Leider habe ich so nicht viel von dem ghanaischen Familienleben mitbekommen.

‚Ä®Das wurde dann aber im Waisenhaus nachgeholt.‚Ä® Dort waren wir 4 Freiwillige und 24 Kinder. Unsere Aufgaben waren morgens haupts√§chlich die kleinen zu unterhalten, mit ihnen zu singen, zu spielen und einfache Schreib√ľbungen zu machen. Au√üerdem mussten wir in gro√üen Waschsch√ľsseln ihre W√§sche waschen und in Eimern Wasser vom Brunnen holen.‚Ä® Die Arbeit mit den Kindern hat immer sehr viel Spa√ü gemacht, solange, bis wieder die gro√üe Frage nach dem Geld kam. Die Direktorin von unserem Waisenhaus war fest davon √ľberzeugt, dass Freiwillige dazu da sind, Geld zu bringen. Dass wir schon allein daf√ľr bezahlen, dass wir herkommen, war ihr nicht bewusst. Man musste also lernen, auf seine Art damit umzugehen und das hat auch geklappt.

Ich bin jeden Tag erstmal ca. eine halbe Stunde zu meinem Waisenhaus gelaufen. Von 9 bis 13 Uhr und von 15 bis 17 Uhr haben wir dann gearbeitet. In unserer freien Zeit haben wir M√§rkte im eigenen oder im Nachbarort besucht, uns ausgeruht und gegessen. Das Essen in Ghana besteht viel aus Reis, Maisbrei, Bohnen, Kochbananen und Wurzeln wie Yam und Casava. Zu den meisten Gerichten gibt es eine scharfe Suppe/So√üe, mit meistens kleinen St√ľckchen Fisch oder seltener Fleisch. Die Essen waren an sich wirklich lecker, aber irgendwann vermisst man Milch, K√§se, richtiges Brot, Schokolade, Pommes, und all die europ√§ischen Essen doch sehr. Auch wenn viele Freiwillige √∂fter mal krank waren, hatte ich eigentlich nur einmal Magenkr√§mpfe nach Bohnen und ansonsten war ich durchgehend gesund. Ich glaube, wenn man eine stabile Abwehr hat, dann wird man auch in Ghana nicht unbedingt krank ;)‚Ä®In unserem Ort waren wir 8 Freiwillige und wir hatten alle 2 Wochen ein Treffen mit unserer Mentorin, bei dem wir √ľber m√∂gliche Probleme sprechen konnten oder einfach gem√ľtlich zusammen sitzen und trinken.‚Ä®

An den Wochenenden sind wir meistens verreist. Strecken, die in Deutschland 1 Stunde dauern w√ľrden, k√∂nnen dort zwar wegen der schlechten Stra√üen durchaus 4 Stunden dauern, aber die Fahrten waren immer sch√∂n und man durfte sich f√ľr eine Reise auch gerne Donnerstag und Freitag freinehmen.‚Ä® Meine Hauptziele waren Cape Coast, die Sklavenburg in Elmina, der Kakum Nationalpark, und das Kulturzentrum in Kumasi. Diese Dinge sollte man sich meiner Meinung nach mal angeschaut haben, ebenso wie man mindestens einen Gottesdienst in einer Kirche nicht verpassen sollte. Es ist unbeschreiblich und z√§hlt eindeutig zu den verr√ľcktesten Dingen, die ich in meinem Leben je erlebt hab! Es wir gesungen, geschrien, geweint, getrommelt und getanzt. ‚Ä®Au√üerdem habe ich viele Wochenenden einfach entspannt am Strand verbracht, wo man in Touristengebieten als Obruni auch problemlos im Bikini baden kann!
Man sollte allerdings am besten in einer Gruppe zum Strand gehen, da sonst die ghanaischen Männer sehr aufdringlich werden können, was zwar nicht gefährlich, aber nervig ist.


Wo wir auch beim Thema Bekleidung w√§ren: Unter der Woche und auf der Arbeit sollte man schon knielange Hosen und Tops mit etwas breiteren Tr√§gern oder T-Shirts anziehen. Aber am Wochenende kann man durchaus in R√∂cken, die nicht √ľber die Knie gehen oder kurzen Hosen (m√ľssen ja nicht direkt Hotpants sein ;) ) rumlaufen. Zuhause und am Strand kann man eigentlich anziehen was man will.‚Ä® Auch wenn man wegen der Mosquitos helle Kleider mitnehmen soll, sollte man lieber keine wei√üen Sachen anziehen. Es liegt ein dauerhafter roter Staub in der Luft und das sieht man auf wei√üen Sachen sofort. Ich hab alle meine wei√üen Kleider sofort wieder in meinem Koffer vergraben. ;)

Alles in allem hatte ich wirklich eine wunderschöne Zeit in Ghana und es gab keinen Tag, an dem ich nichts Neues erlebt habe. Ich kann nur jedem empfehlen, auch einmal nach Afrika zu reisen, um eine völlig andere Kultur und Lebensweise kennen zu lernen.

Sandra



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