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Freiwilligenarbeit Ghana - Joana

 

3 Monate in Ghana

Meine Zeit in Ghana startete am 01. September mit dem Hinflug und endete am 01. Dezember, als mein Flugzeug wieder in Deutschland landete. Gern möchte ich euch über die aufregenden, tollen und besonderen drei Monate, die ich in dieser Zeit erlebte, berichten. Wichtig ist mir dabei aber zu sagen, dass die anderen Freiwilligen und ich festgestellt haben, dass dein Projekt und deine Aufgaben darin, deine Gastfamilie, der Ort an dem du untergebracht bist und die Lebensstandards dort und damit verbunden all deine Erfahrungen in Ghana wirklich vollkommen unterschiedlich sein können ! Deine drei Monate in Ghana können also absolut anders aussehen als meine Zeit dort!

Als ich mich entschlossen hatte, drei Monate Freiwilligenarbeit in Ghana zu machen, suchte ich nach einer Organisation, die mir bei der Planung und Vermittlung behilflich sein könnte. Dabei landete ich schließlich auf der Internetseite von „auszeit-weltweit“. Die Planung verbunden mit der Flugbuchung und dem Abschließen einer Versicherung lief reibungslos. Bei Fragen konnte ich mich immer an einen Mitarbeiter von auszeit-weltweit wenden und bekam schnelle und hilfreiche Antworten. Auch die Hilfe bei der Beschaffung des Visums (bitte nicht wundern, wenn es kurz vor knapp kommt-die ghanaische Gelassenheit!) und das zugeschickte Infopaket für meinen Auslandsaufenthalt fand ich super!

Am 1. September ging es dann los und mein Flugzeug startete in Richtung Accra – der Hauptstadt Ghanas. Nach einem langen Flug endlich angekommen konnte ich schnell meinen Koffer holen, wurde dann noch einmal von einigen Polizisten am Flughafen nach diversen Daten meiner Reise und meinen Gründen nach Ghana zu reisen gefragt und betrat dann schließlich die Eingangshalle des Flughafens. Sofort hinter der Absperrung wartete ein Mitarbeiter der lokalen Organisation mit einem Schild in der Hand auf mich.

Gemeinsam suchten wir uns ein Taxi, dass uns zum Haus am Rande Accras fahren sollte. Meine ersten Minuten während der Taxifahrt durch Accra waren sehr aufregend, da ich durch eine komplett andere Welt fuhr. Es war heiß, laut, hektisch und wenn ich aus dem Fenster sah, dann sah es einfach vollkommen anders aus als in Deutschland. Im ARA-Haus angekommen wartete ich auf die anderen Freiwilligen, die schon einen Tag vorher angekommen und jetzt auf einer Besichtigungstour durch Accra waren. Ich hatte das große Glück, dass ich gleichzeitig mit den Freiwilligen ankam, die für ein Jahr in Ghana geblieben sind. So hatte ich ganz viele andere Mitfreiwillige, mit denen ich mich austauschen konnte und bekam ein richtiges Einführungsseminar. Von Montag bis Freitag hatten wir jeden Tag Gruppenbesprechungen, in denen wir sehr ausführlich auf unsere Zeit in Ghana, die andere Kultur, die Sprache, das Verhalten im Projekt und in der Gastfamilie vorbereitet wurden.

Am Freitag ging es dann endlich los in unsere Projektorte und zu unseren Gastfamilien. Ich fuhr mit vielen anderen Freiwilligen nach Agona Swedru, einer etwas größeren Stadt Ghanas, in der immer sehr viele Freiwillige untergebracht werden. Am Ende meines Aufenthalts dort war eigentlich immer davon auszugehen, einen anderen Obruni (weißen Menschen) zu treffen, während man durch die Stadt lief. In Agona Swedru angekommen wurden wir in Henrys Haus empfangen (Henry ist einer der Hauptleiter der lokalen Organisation) und warteten dort darauf, dass uns unsere Taxis abholten. Immer zur viert in einem Taxi wurden wir dann nacheinander in unsere Gastfamilien gebracht.

Meine Gastfamilie lebte nicht direkt in Agona Swedru, sondern in einem Stadtteil, der ein bisschen außerhalb liegt und „Aboso“ genannt wird und daher fuhren wir erstmal ein ganzes Stücken, bis das Taxi endlich auf einer alten staubigen Straße inmitten von kleinen Steinhäusern und -ruinen parkte. Der Mitarbeiter nahm meinen Koffer und führte mich dann an unzähligen Häusern vorbei, sodass wir schließlich bei dem Haus meiner Gastfamilie ankamen. Vor dem Haus saß meine Gastmama -Victoria- und war gerade zusammen mit meiner Gastschwester und meinem Gastbruder Fufu (DAS typisch ghanaische Gericht) am stampfen. Als sie mich sah, fing sie an von einem Ohr zum anderen an zu grinsen und drückte mich feste an sich. Danach stellte sie mir meine Gastgeschwister Esther, Ato und Ankofi und meinen Gastpapa John vor und brachte mein Gepäck in mein Zimmer. Nachdem ich eine riesige eigentlich nicht zu bewältigende Portion Reis mit Gemüse gegessen hatte, legte ich mich hundemüde in mein Bett und schlief sofort ein.

Die nächsten Tage verbrachte ich den ganzen Tag in meiner Gastfamilie, da mein Projekt erst ein paar Tage später anfing. Da in Ghana die Schule noch nicht angefangen hatte, waren meine Gastgeschwister und -cousinen die ganze Zeit bei mir und halfen mir super beim Einleben in den ghanaischen Alltag. Auch in die Kirche und zum Einkaufen wurde ich sofort mitgenommen. Ich wurde von Anfang an sehr sehr herzlich in meiner Gastfamilie aufgenommen, sodass ich nach wenigen Tagen schon das Gefühl hatte „Zuhause“ zu sein. Erste Anfangsschwierigkeiten bestanden nur darin, dass ich keinerlei Arbeit erledigen durfte, weil ich eine Weiße bin und diese in Ghana am Anfang quasi wie Heilige behandelt werden und ich die unfassbaren Mengen an Essen einfach nicht aufessen konnte. Nachdem ich jedoch erklärt hatte, dass ich ein Teil der Familie sein und genau wie diese bei allen Arbeiten mithelfen wolle und ich meiner Gastmama nach der Hälfte meines Tellers meinen dicken Bauch zeigte und sagte, dass ich jetzt wirklich voll sei und nichts mehr in mich reinginge, wurde es von Tag zu Tag besser, bis ich schließlich fast jede Arbeit mitübernehmen durfte und die Essensportionen nur noch sehr viel anstatt unfassbar riesig waren und ich so gerade alles auf bekam.

Nach ein paar Tagen kam dann ein Mitarbeiter der lokalen Organisation mit dem Taxi und fuhr mich zu meinem Projekt für die nächsten drei Monate - ein Waisenheim, das ebenfalls in dem Stadtteil Aboso lag. Dort angekommen wurde ich von dem Leiter Waogre und seiner Frau Mary sehr herzlich aufgenommen und er erzählte mir ein bisschen über das Waisenheim. Während meiner Anfangszeit lebten 13 Kinder im Waisenheim, wovon drei ältere Jungen allerdings in einer Hütte außerhalb schliefen, drei die Kinder des Waisenheimleiters waren und zwei nach meinen ersten drei Wochen abgeholt wurden. Es war also ein sehr kleines Waisenheim mit wenig Kindern. Am nächsten Tag kam ich in das Waisenheim und sollte dann auch direkt anfangen zu arbeiten.

In Ghana ist es üblich, dass die Leute den Freiwilligen nicht direkt und genau sagen, welche Aufgaben zu erledigen sind, sondern z.B. so wie mein Leiter sagen: „Mach einfach das, was du kannst“. Das ist bestimmt nett gemeint, hilft einem am Anfang aber nicht wirklich weiter. Nachdem ich in der ersten Woche mit den Kindern gespielt und gemalt hatte (weil mir unter anderem nicht erlaubt wurde im Haushalt zu helfen, weil ich ja eine Weiße sei), fand ich ein Buch welches ehemalige Freiwillige des Waisenheims geschrieben hatten. Dort waren alle Dinge aufgelistet, die sie gemacht und vorbereitet hatten. Anhand dieses Buches bereitete ich die nächsten Wochen jeden Tag Mathe- und Englischaufgaben für die Kinder vor und half ihnen beim Erledigen dieser Aufgaben und der Hausaufgaben. Außerdem spielte und malte ich mit den Kinder, besonders mit diesen, die morgens im Heim blieben, weil sie noch zu jung für die Schule waren. Während meiner ersten vier Wochen war ich die einzige Freiwillige im Waisenheim. Dies war am Anfang ein bisschen schwer, weil ich niemanden zum Austauschen und Unterstützen hatte, im Nachhinein bin ich aber über diese vier Wochen, die mir extrem viel gebracht haben, sehr froh.

Nachdem ein Monat vergangen war und ich in der Woche im Waisenheim arbeitete und am Wochenende reiste, rief der Waisenheimleiter mich in sein Büro um mir zu erklären, was sich nun alles verändern würde. Ab diesem Punkt wurde quasi alles komplett anders. Der Waisenheimleiter eröffnete eine Vorschule in dem Waisenheim, in der arme Kinder aus dem Viertel Englisch lernen und täglich essen sollten. Außerdem sollten ein paar Freiwillige zur Unterstützung in den nächsten Wochen ankommen. Eine Woche später waren wir vier Freiwillige in dem Waisenheim (drei aus Deutschland und eine aus Schweden) und die Vorschule eröffnete ohne richtige Vorbereitung von einem Tag auf den anderen.

Die nächsten Tage waren wir damit beschäftigt, die notwendigste Grundausstattung (Babytoiletten, Windeln, feuchte Tücher, Spiele, Blöcke...) zu beschaffen und die Kinder dazu zu bringen, dass sie entweder nicht anfingen zu heulen, wenn sie uns Weiße sahen oder wenigstens ein bisschen auf uns hörten. Nach diesen sehr chaotischen Tagen am Anfang wurden die Kinder in zwei Gruppen unterteilt und wir Freiwilligen sollten diesen Gruppen Englisch und Mathematik beibringen. Da wir keinerlei Vorbereitung darauf hatten, war die nächste Woche auch wieder etwas chaotisch, bis sich dann schließlich alle ein bisschen eingelebt und -gearbeitet hatten. Wir bekamen eine Einheimische, die das Unterrichten der größeren Kinder übernahm, da die Kinder nicht auf uns Freiwilligen hörten, weil wir sie nicht schlugen. Außerdem kamen in den nächsten Wochen viele neue Freiwillige an, sodass wir die Arbeit gut aufteilen konnten. Auch kam ein Paket von meinen Eltern an, indem sehr viele gesponserte Spielsachen und nützliche Alltagsgegenstände zu finden waren. Über dieses Paket freuten sich vor allem die Kinder riesig. Mit Hilfe des Pakets konnten wir jedem Kind ein eigenes Malheft geben, sie bekamen Ballons, Buntstifte, Lutscher, Seifenblasen und und und.

An dieser Stelle noch ein riesiges Dankeschön an die Sponsoren!

Eine richtige Ordnung und Regelmäßigkeit stellte sich in den nächsten zwei Monaten nicht ein, aber genau damit lernten wir zu leben und wurden von Tag zu Tag gelassener. Von einem Tag auf den anderen konnte sich alles vollkommen verändern, so war es dann halt und wir mussten gucken, wie wir damit klar kamen und weitermachen.

Meine Aufgaben waren nun völlig andere. Ich half ein wenig beim Unterrichten (die Hauptarbeit sollten aber 2 Freiwillige aus Deutschland machen, die für ein Jahr blieben) und hauptsächlich unterstützte ich die Leiterin des Heims in den unzähligen Aufgaben beim Haushalt. Sei es Wasser aus dem Brunnen ziehen und auffüllen, putzen, Essen vorbereiten, Kinder zur Toilette bringen, Kinder und Kleidung waschen, Toilette leeren und putzen, Essen verteilen und und und. Beim Umsehen sah man eigentlich immer irgendwo Arbeit, die auf einen wartete. Neben diesen Aufgaben, die wir mit den Kindern der Vorschule hatten, verbrachten ein paar Freiwillige und ich weiterhin Zeit mit den Waisenheimkindern, da wir natürlich vor allem für diese da sein wollten. Es wurden weiter Mathe-, Englisch und Kreativaufgaben vorbereitet und mit den Kindern zum Spielen auf einen Platz gegangen, Eiscreme gemacht, Schnitzeljagd, Malen, Gesellschaftsspiele oder es wurde einfach nur geredet und gelacht. Diese 2 Monate im Waisenheim vergingen wie im Flug, da die Arbeit einfach jeden Tag sehr viel und auch anstrengend war, man ständig neue Freiwillige kennen lernte und kein Tag wie der andere war. Es war immer etwas Neues zu entdecken und zu lernen, man musste sich auf neue Leute einstellen, seine Aufgaben wechseln und die Kinder wuchsen einem natürlich jeden Tag mehr ans Herz (und raubten einem auch manchmal den letzten Nerv).

Während diesen drei Monaten arbeitete ich natürlich nicht nur, sondern reiste am Wochenende auch an sehr viele unglaublich schöne Orte. Zum Glück unterstütze meine Gastfamilie mich darin, da sie wollten, dass ich am besten so viel wie möglich von ihrem schönen Ghana sehen sollte. Gereist wurde an den schönen Strand von Winneba, zur Sklavenburg Cape Coast Castle, zur Brückenwanderung im Kakum-Nationalpark, zum Stelzendorf Nzulezu, zur traumhaft schönen Bucht von Akwidaa, nach Kumasi zum größten Markt Westafriks, nach Tamale der Hauptstadt des Nordens und in den Mole-Nationalpark, nach Koforidua der Hauptstadt der Eastern-Region, zum großen Akosombostaudamm, zum Affenreservat in Tafi-Atome und in die unglaublich schöne Voltaregion zum höchsten Wasserfall Ghanas, dem Wli-Wasserfall.

Es waren unglaublich aufregende Wochenenden mit einmalig schönen Erlebnissen und Orten, die wir erlebt und gesehen haben. Super dabei war auch, dass das Reisen in Ghana sehr einfach und im Vergleich zu Europa sehr billig ist. Man geht einfach ins Stadtzentrum zur Tro-tro-Station. Hört dort, von wo der Ort gerufen wird, wo man hinmöchte, setzt sich in das Tro-tro (meistens sehr alte Kleinbusse), wartet bis es voll ist (dies kann manchmal mehrere Stunden dauern, also Zeit mitbringen) und los geht es. Die Tro-tro-Fahrer sind bis auf wenige Ausnahmen sehr hilfsbereit und erklären dir genau, wie du wohin kommst. Während der Tro-tro-Fahrt sitzen Fahrgäste meistens eingeklemmt zwischen unzähligen Leuten und Taschen mit z.B. Hühnern oder Gemüse darin und die Sitze und Straßenverhältnisse sorgen dafür, dass einem nach einer Stunde eigentlich alles weh tut, aber ich fand die Tro-tro-Fahrten immer ein tolles Erlebnis für sich. Während der Fahrt kann nämlich die wunderschöne Landschaft Ghanas bestaunt werden, die an einem vorbeizieht.

Wichtig beim Reisen ist, dass man sich nicht übers Ohr hauen lässt und immer ein bisschen vorsichtig ist. Generell wollen die meisten Tro-tros, Taxis und Unterkünfte erstmal viel zu viel Geld von den angeblich „reichen Weißen“ einsammeln. Einfach am besten vorher informieren, wie die normalen Preise sind und erst gar nicht anfangen zu diskutieren. Außerdem ein bisschen vorsichtig beim Mitfahren oder Anvertrauen von Gegenständen sein. In Ghana kann man gut alleine reisen, da die meisten Gegenden sehr sicher und geschützt sind, trotzdem kann es einem ja immer mal, genau wie in Deutschland auch vorkommen, dass man an die falschen Menschen gerät. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass die Unterkunft bei Dunkelheit erreicht ist und wenn dann möglichst nur in Stadtteile gehen, die einem vorher von anderen Reisenden oder Einheimischen als sicher beschrieben werden. Außer den typischen Vorsichtsmaßnahmen bei Reisen muss in Ghana aber nicht viel beachtet werden, da es in den meisten Regionen sehr sicher ist und sogar Frauen eigentlich ohne sich irgendwelche Sorgen zu machen alleine reisen können.

Ein paar Sätze möchte ich noch über das Thema „Kulturschock“ schreiben. Ich denke, wenn du dir von Anfang an klarmachst, dass während der Zeit in Ghana nicht mit europäischen Verhältnissen - sei es bei Hygiene, Unterkunft, Informationen, Zuverlässigkeit...- zu rechnen ist, dann wirst du dich sehr schnell an die ghanaische Kultur und Lebensweise gewöhnen und nicht den absoluten Kulturschock bekommen. Klar ist es am Anfang eine ganz schöne Umstellung in einem in wirklich fast allen Aspekten vollkommen anderen Land zu sein. Wenn du jedoch offen, mit Neugier, Spaß und viel Interesse an alle Sachen herangehst, kannst du eigentlich nur gewinnen und jeden Tag die ghanaische Lebensart und -weise mehr kennen und vor allem lieben lernen.

Hier ein paar Beispiele: In den ghanaischen Städten ist immer Trubel. Egal wo du bist, es sind unzählige Menschen um einen herum, es ist ein einziges Gewusel und eine unglaubliche Geräuschkulisse. Als Weißer wirst du außerdem andauernd beobachtet. Sei es auf den Straßen, in der Gastfamilie, in der Kirche usw. Die meisten Menschen tun dies, weil sie interessiert sind und weil es für sie etwas besonderes ist, einen „Obruni“ zu sehen. Manchmal kann einem dieses Beobachten auf die Nerven gehen, aber du solltest dir immer wieder vor Augen führen, dass du dort etwas vollkommen Neues und Anderes bist und die Menschen einfach nur mehr über dich lernen möchten. Das selbe gilt für die Obrunirufe, die einen quasi überallhin begleiten und die ständigen Fragen wo man herkommt, wie es einem geht, wie die Arbeit war und wie man heißt. Manchmal wird einem alles zu viel, aber die Menschen verstehen, dass nicht jedem geantwortet werden kann und sind auch schon mit einem Anlächeln vollkommen zufrieden.

Du solltest dich auch darauf einstellen, dass du öfters in der Sprache der Einheimischen (bei mir war das Fanti) angesprochen wirst. Aber die einfachsten Phrasen werden einem schon in der Einführungswoche oder in der Gastfamilie beigebracht und mehr als diese brauchst du eigentlich auch nicht. Als Frau sollte man auch darauf vorbereitet sein, dass einen eigentlich fast jeder ghanaische Mann heiraten möchte, einen anfasst, Komplimente macht und deine Handynummer haben möchte. Eigentlich ist es am besten sofort abzuriegeln und auf Abstand zu gehen, auch wenn einem dies am Anfang unhöflich erscheint. Aber nur so verstehen es die meisten Männer und lassen dich dann in Ruhe.

Besonders schwer fand ich am Anfang auch, dass man in Ghana als Weißer wie etwas Besseres behandelt wird, was ja eigentlich niemand möchte. Es wird immer alles sofort für einen stehen und liegen gelassen, niemand schimpft mit einem, man bekommt Unmengen an Essen und arbeiten darf man erst Recht nicht. Wichtig ist es dabei, ganz deutlich klar zu machen, dass du so behandelt werden möchtest, wie alle Anderen auch. Am Anfang werden die Leute trotzdem weitermachen, aber nach und nach werden sie sich daran gewöhnen, dass du einer von ihnen bist und dich auch so behandeln. Ich könnte noch viele Dinge mehr aufzählen, die in Ghana anders sind als hier in Deutschland, aber ich denke, dass Allerbeste ist es, wenn du einfach nach Ghana reist und dort alle Erfahrungen selber machst. Offenheit und Toleranz gegenüber allem Neuen ist eigentlich das Einzige, was du brauchen wirst!

Als meine drei Monate in Ghana sich dem Ende neigten, wurde ich jeden Tag trauriger.

Ich war nach diesen Monaten so sehr an die ghanaische Lebensweise, -kultur und -freude gewöhnt, dass ich mir gar nicht vorstellen konnte, wie es sein würde, wieder in Deutschland zu leben, wo einfach alles vollkommen anders sein würde. Besonders ein paar Freiwillige, meine Gastfamilie und die Waisenheimkinder waren mir sehr ans Herz gewachsen und es war wirklich unglaublich schwer, mich von ihnen zu verabschieden. So sehr ich mich auch auf Zuhause freute, ich musste trotzdem ganz viele Menschen, mit denen ich eine tolle Zeit verbracht und die ich sehr lieb gewonnen habe, hinter mich lassen und wusste, dass ich sie auch erstmal nicht wiedersehen würde.

Nachdem ich mich vom Waisenheim und von meiner Gastfamilie verabschiedet hatte, fuhr ich mit einer Freiwilligen aus meinem Projekt, die gleichzeitig mit mir aufgehört hat, in die Hauptstadt Ghanas, nach Accra. Dort hatte ich noch zwei schöne letzte Tage mit drei Freiwilligen, die zu sehr guten Freunden während dieser Zeit geworden waren. Als ich dann endgültig ins Taxi auf dem Weg zum Flughafen stieg, habe ich gedacht, wie schnell die Zeit in Ghana doch vergangen ist. Es sind in diesen drei Monaten so viele tolle, einzigartige, manchmal auch schreckliche und sehr traurige Momente geschehen, die ich miterleben durfte; ich habe so viele tolle, interessante, starke, lebensfrohe Menschen kennengelernt und habe einfach so unfassbar viele Erfahrungen für das Leben gewonnen, dass ich diese drei Monate in Ghana nie mehr vergessen werde und auch jetzt jeden Tag an meine 2. Heimat Ghana und die Menschen dort denke.

Eure Joana



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