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Freiwilligenarbeit Chile - Antonia

Termine

Oktober
  • 24. Oktober, 15-18 Uhr, ÔÇ×Nix wie weg!ÔÇť, Hamburg
November
  • 8. November, 16 Uhr, Online-Infoabend
  • 10. November, 9-16 Uhr, Bildungsmesse G├Âppingen
  • 17. November, 10-16 Uhr, Jugendbildungsmesse Bonn

Weitere Termine findest du hier!

 
Sprachkurs und Freiwilligenarbeit in Chile

Vom September 2009 bis Februar 2010 verbrachte ich sechs Monate in Chile. Die Agentur vor Ort hatte mir eine Stelle in einem Heim f├╝r M├Ądchen in Valpara├şso beschafft und ein Zimmer in einer WG.

Zuerst wollte ich noch einen Spanischkurs machen, da ich noch kein Wort sprechen konnte. Den ganzen September war ich also in der Hauptstadt Santiago, wo ich bei meinen Cousinen wohnen konnte. Jeden Tag fuhr ich mit der Metro, ein aufregendes Erlebnis, zur Sprachschule in Providencia, die mir sehr gut gefallen hat. Die Atmosph├Ąre war sehr locker und famili├Ąr. Au├čerdem wurden viele Ausfl├╝ge unternommen und man lernte nette andere Sch├╝ler aus der ganzen Welt kennen. Praktischerweise war das B├╝ro der Argentur ganz in der N├Ąhe, sodass ich dort ein paar mal vorbeischauen konnte. Die Mitarbeiter dort haben mich alle sehr herzlich begr├╝├čt und sofort ein freundschaftliches Gespr├Ąch aufgenommen, um mir zu helfen im Alltagsleben von Santiago gut zurecht zu kommen. So hat mir die zust├Ąndige Mitarbeiterin, selber eine Deutsche, zB. erkl├Ąrt, wie man die Metro bzw. Busse benutzt, wo man sein Handy aufladen kann, wo man den Dieciocho, Chiles Nationalfeiertag, am besten feiern kann usw. Auch ├╝ber meine ersten Eindr├╝cke haben wir uns sehr nett unterhalten.

Einmal im Monat wird ein Treffen f├╝r alle organisiert. Man trifft sich dann in einer Bar oder einem Restaurant, um Erfahrungen auszutauschen und Kontakte zu sammeln. Leider konnte ich beim ersten Treffen nicht dabei sein, bin dann aber zum zweiten im Oktober, als ich schon Valpara├şso gewohnt habe, gekommen. Ich hatte mich zu dem Zeitpunkt allerdings schon so verselbstst├Ąndigt und gut eingelebt und au├čerdem lebte ich ja nicht mehr in Santiago, dass ich die Kontakte nicht mehr ben├Âtigte. Es war aber ein netter Abend und ich w├╝rde jedem empfehlen, m├Âglichst zum ersten Treffen zu gehen, da es dann sehr sinnvoll ist, um Leute zu treffen.

Meine Zeit in Santiago war sehr sch├Ân! Das Leben in der Gro├čstadt hat mir gro├čen Spa├č gemacht und bietet in seiner Vielfalt vieles zum unternehmen. Vor allem nat├╝rlich Sight Seeing, aber auch zum Weggehen und Einkaufen. Im September war wie erw├Ąhnt auch der chilenische Nationalfeirtag, zu dem man viel von Chiles Kultur kennenlernt, z.B. den traditionellen Tanz Cueca und die typischen Gerichte wie Choripan und dazu Chicha (Wein). Au├čerdem habe ich beim Salsa-Kurs, den meine Sprachschule angeboten hatte, mitgemacht, was auch sehr lustig war.

Anfang Oktober ging es dann nach Valpara├şso, der zweitgr├Â├čten Stadt Chiles, direkt an der K├╝ste und nur ca. eineinhalb Stunden von Santiago entfernt. Dort hatte mir die lokale Agentur eine Wohnung vermittelt, die mitten im Zentrum lag und von der aus ich einen herrlichen Meeresblick hatte, da sie im 15. Stock lag. Ich wohnte mit drei anderen jungen Leuten aus Italien bzw. den USA zusammen, mit denen ich mich sehr gut verstanden habe. Mein Vermieter, auch noch sehr jung, hat mich sofort mitgenommen zu seiner Wohnung, wo er auch mit Deutschen zusammen lebte, sodass ich gleich Anschlu├č in Valpo hatte.

Am Montag ging ich dann zum ersten mal zu meiner Freiwilligenstelle im Hogar, wo ich die n├Ąchsten drei Monate arbeiten sollte. Dort wurde ich von einer der dort arbeitenden Psychologinnen empfangen, die mir ein bisschen vom Heim erz├Ąhlt hat. Danach durfte ich gleich zu den Kindern und konnte erstmal ein bisschen beobachten, wie dort alles l├Ąuft und habe auch gleich die anderen beiden Freiwilligen aus Deutschland und USA kennengelernt. Ich musste nur ein paar Stunden am Tag arbeiten und sollte einfach mit den M├Ądchen im Alter von 4 bis 17 zusammen sein, mit ihnen spielen, reden und bei allem, was anf├Ąllt, helfen.

Die Kinder waren sehr offen und haben einen sogleich in ihre Spiele mit einbezogen, allerdings war die Sprachbarriere immer ein gro├čes Hindernis. Die drei Tias, die f├╝r die jeweils drei Altersgruppen zust├Ąndig waren, waren leider sehr lustlos und haben es uns nicht wirklich erleichtern k├Ânnen, schneller mit allem zurecht zu kommen. Wir drei haben dann ein paar Projekte organisiert, zum einen eine Halloweenparty und einen w├Âchentlichen Filmnachmittag, die auch gut ankamen. Die Kinder, die kaum Erziehung und Disziplin haben, waren schwer zu b├Ąndigen und vor allem durch unser schwaches Spanisch war es schwierig, ihnen begreiflich zu machen, was zu tun sei und wie sie uns bei der Vorbereitung des Festes oder bei Bastelarbeiten und Spielen helfen k├Ânnten. Trotz allem wurden unsere Projekte erfolgreich und wir alle hatten schlie├člich viel Spa├č. Mit der Zeit gew├Âhnten wir uns auch alle besser ein und freundeten uns mit den Kindern an, sodass alles einfacher wurde.

Insgesamt war die Arbeit im Heim jedoch ein tolles Erlebnis, was vor allem an den M├Ądchen lag, die am Schlu├č sehr an uns hingen und wir an ihnen. Durch gutes Zuh├Âren und vor allem Zuneigung und W├Ąrme bin ich sicher, dass wir ihnen etwas von ihrem tristen Alltag nehmen konnten und ich bin froh, dass ich f├╝r sie da sein konnte!

Das Leben in Valpara├şso war das tollste bei meinem Chileaufenthalt. Ich habe mich regelrecht in diese Stadt verliebt! Im Gegensatz zu Santiago f├╝hlt man sich hier wirklich wie in einem authentischen s├╝damerikanischen St├Ądtchen, sowie man es sich vorgestellt hat. Mit ihrer chaotischen und k├╝nstlerischen Atmosph├Ąre ├╝berzeugt sie nicht nur tausende Touristen jedes Jahr, sondern auch alle chilenischen K├╝nstler lassen sich hier irgendwann nieder. Denn wer es zu etwas bringen will, hat dort die besten M├Âglichkeiten.

Die Stadt ist auf hunderten von H├╝geln gebaut, an denen tausende bunte H├Ąusschen kleben, sodass man das Gef├╝hl hat, sie w├╝rden jeden Moment herunterfallen. Die W├Ąnde sind mit k├╝nstlerischem Graffiti bemalt und aus den Bars, die keinen Tag in der Woche schlie├čen, schallt lateinamerikanische Musik. Die Leute sind vor allem jung, guter Laune und genie├čen das Leben in vollen Z├╝gen. Reichtum hat die Stadt lange nicht gesehen, alles sieht eher etwas heruntergekommen aus, was aber genau den Charme ausmacht. Inzwischen ist Valpar├şso ja auch UNESCO Weltkulturerbe.

Auf chaotischen M├Ąrkten wird frischer Fisch und Avocados angeboten, am Hafen versammeln sich die alten Fischer und erz├Ąhlen sich Geschichten, und auf den Plazas sitzen die Musiker mit ihren Gitarren. Die Colectivos (Taxis) und Micros (Busse) werden von den unz├Ąhligen Stra├čenhunden so lange angebellt, bis sie au├čer Sichtweite sind, und man freut sich jedesmal wieder, wenn einem ein Kapit├Ąn in voller Montur ├╝ber den Weg l├Ąuft. Das sogenannte San Fransisco S├╝damerikas geh├Ârt au├čerdem zu den paar St├Ądten des Kontinents, dessen Neujahrsfestivit├Ąten man nicht missen sollte. Das spektakul├Ąre Feuerwerk ├╝ber dem Meer lockt jedes Jahr tausende Chilenen und Touristen in die Stadt und erst im Morgengrauen leeren sich die Stra├čen und die B├╝hnen werden abgebaut. Wer also nach Chile will, sollte diese Stadt auf keinen Fall auslassen. Mir hat es gro├čen Spa├č gemacht, sie auszukundschaften und das Leben dort kennenzulernen.

Alles in allem hatte ich also eine wunderbare Zeit in Chile, die ich mit einer Reise in den S├╝den und nach Bolivien am Ende meines Aufenthalts noch getoppt habe. Die lokale Organisation ist sehr engagiert, mit ├Ąu├čerst symphatischen und zuverl├Ąssigen Mitarbeitern und sehr weiterzuempfehlen. Bei Problemen und Fragen konnte man sich immer an sie wenden und ich bin froh, dass ich sie als Organisation ausgew├Ąhlt habe.

Als Tipp f├╝r andere Jugendliche, die nach Chile wollen: Seid immer offen und unternehmungslustig! Lasst keine Gelegenheit aus, etwas neues auszuprobieren, sei es Salsatanzen, Surfen oder zum dritten mal hintereinander Ausgehen... Ihr habt nicht euer ganzes Leben lang Zeit, sondern nur diese paar Monate, also kostet sie voll aus, sonst bereut ihr es sp├Ąter! Und vor allem gebt nicht auf, wenn es euch mal schwierig erscheint, neue Leute kennenzulernen oder ihr euch alleine f├╝hlt. Geht raus auf die Stra├če und redet einfach mit Leuten, irgendwie trifft man immer Leute. Au├čerdem w├╝rde ich davon abraten, nur mit anderen Ausl├Ąndern zusammen zu sein. Erstens lernt man so die Sprache nicht, und aus eigener Erfahrung weiss ich, dass das das Allerwichtigste ist, um sich gut einleben zu k├Ânnen, und zweitens lernt man so auch nicht Land und Leute kennen. Ich kenne auch viele, die fast jedes Wochenende in irgendeine andere Stadt gereist sind, um m├Âglichst viel von Chile kennenzulernen. Auch das w├╝rde ich nicht empfehlen, da man dann das Land als Tourist vielleicht kennt, aber nie richtig dort gelebt hat, um von Chilenen aus erster Hand das normale Leben dort kennenzulernen.

Vielen Dank f├╝r die wunderbare Vermittlung und Unterst├╝tzung und allen weiteren Teilnehmern w├╝nsche ich viel Spa├č!

(Antonia ├╝ber ihre Erfahrungen mit dem Programm unserer Partner)



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