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Farmarbeit Schweiz - Babette

 
Drei Wochen im Mittelpunkt der Schweiz

Vom 1. bis zum 23. August habe ich diesen Sommer einen Farmaufenthalt in der Schweiz gemacht. Genauer gesagt in der Zentralschweiz in Giswil. Das liegt in der N├Ąhe von Luzern am Lungersee. Ich habe bei einer jungen Bauernfamilie gelebt, die 6 Wochen vor meiner Ankunft gerade Nachwuchs bekommen hatten. Au├čerdem haben noch die Eltern meines Gastvaters im Haus gewohnt. Mein Gastvater, Armin, hat auf dem Bau gearbeitet und war deswegen unter der Woche nur abends zu Hause. Daher habe ich die meiste Zeit mit seinem Vater, Hans, oder mit meiner Gastmutter, Brigitte, und dem Baby, Ramon, verbracht.

Bei meiner Ankunft wurde ich von meiner Gastmutter am Bahnhof abgeholt. Zum Hof waren es nur 5min mit dem Auto, wobei es aber ein ganzes St├╝ck nach oben ging. Ich hatte ein eigenes Zimmer mit gro├čem Bett und ein eigenes kleines Bad mit Dusche, WC und Waschbecken im Dachgeschoss des Hauses. Im zweiten Stock hatte meine Gastfamilie ihre Wohnung und im ersten Stock die Eltern von Armin.

Das Haus, in dem ich gewohnt habe

Weil ich am Nationalfeiertag der Schweiz angereist bin, habe ich am ersten Abend auch gleich noch einen Gro├čteil der restlichen Familie meines Gastvaters kennen gelernt. Es wurde erst grilliert, wobei auch daran gedacht wurde, dass ich kein Fleisch esse, und es f├╝r mich Maiskolben gab. Sp├Ąter, als es dunkler war, sind wir dann weiter den Berg hoch zu einer Feuerstelle. Da gab es dann erst mal Schweizer Bier und Schokolade (die Mischung machts ;)). Von da oben hat man dann die ganzen Bergfeuer und die Feuerwerke gesehen. Wir haben auch ein Bergfeuer entz├╝ndet und Feuerwerksk├Ârper gez├╝ndet. Insgesamt war der erste Abend mit der Sprache und den vielen neuen Gesichtern schon anstrengend, aber auch echt sch├Ân.

Zur Sprache kann ich nur sagen, Deutsch ist es nun wirklich nichtÔś║. Am Anfang habe ich vom Schwitzerd├╝tsch gar nichts verstanden, dann mal einige W├Ârter. Mit mir haben sie nat├╝rlich versucht Hochdeutsch zu reden, aber untereinander die Gespr├Ąche konnte ich nicht wirklich verfolgen. Nach ein paar Tagen fing ich dann an die groben Themen immer zu verstehen und auch einige S├Ątze schon. Irgendwann hatte ich mich soweit reingeh├Ârt, dass ich eigentlich alles verstanden habe. Meine Gastfamilie hat dann auch angefangen mit mir Mundart zu reden und bis auf einige W├Ârter, die ich dann nachfragen musste, habe ich am Ende auch alles verstanden.

Mein Arbeitstag sah so aus, dass ich morgens um 8 Uhr (sehr humane Zeit, wie ich fand) zum Zmorgen (Zum Morgen = Fr├╝hst├╝ck) runter in die Wohnung von meinen Gasteltern kam. Da habe ich dann mit Brigitt und Ramon gefr├╝hst├╝ckt. Es gab Brot und K├Ąse und Marmelade. Sehr interessant fand ich, dass sie nur bei warmen Speisen Teller benutzt haben, Brot haben wir immer vom Tisch gegessen. Au├čerdem gab es nat├╝rlich noch ganz frische Milch aus dem Stall und auch der K├Ąse war von den eigenen K├╝hen und die Marmelade selbst gemacht.
Um halb neun bin ich dann meistens mit Hans hoch in den Stall gegangen. Der lag ca. 100m vom Haus entfernt, aber der Weg dahin war ziemlich steil, also Fr├╝hsport. Im Stall standen am Anfang 8 K├╝he und ein Kalb. Der Rest der K├╝he und die Rinder (Junge K├╝he, die noch keine Milch geben), waren den ganzen Sommer auf der Alb. Morgens habe ich dann mit Hans oder sp├Ąter auch mal alleine den Stall gemacht. Das hei├čt gemistet, die Liegeboxen neu ausgestreut, den K├╝hen Gras gegeben und die Melkst├Ąnde, von der Sp├╝lapparaten abgeh├Ąngt.

Gruppenbild meiner Lieben im Auslauf vom Stall

Meistens ging es dann grasen, also Gras holen f├╝r die K├╝he. Daf├╝r wurde erst gem├Ąht, dann das Gras auf Mahden zusammengerecht und schlie├člich auf den Ladewagen geladen. Je nach Bodenqualit├Ąt, Wetterlage und Steigung musste das mehr oder weniger per Hand gemacht werden. Manchmal musste ich nur die Maschine mit dem Grasrechen kontrollieren und manchmal auch alles zusammenrechen, aus steilen St├╝cken runterrechen oder auch das Gras mit der Handmotorsense m├Ąhen. Das Anstrengenste dabei war die Steigung und das ewige hoch und runter. Aber ich muss sagen, dass ich trotz Muskelkater in den Armen nie ├╝berlastet war, obwohl ich mich jetzt nicht als super sportlich oder trainiert beschreiben w├╝rde. Die k├Ârperliche Arbeit fand ich ganz im Gegenteil sehr angenehm, weil es als Sch├╝ler doch mal was ganz anderes ist, als den ganzen Tag drinnen zu hocken und nur mit dem Kopf zu arbeiten.
Um zw├Âlf gab es dann Zmittach (Zu Mittag) Hier hat Brigitt immer warm gekocht. Armin kam meistens vom Bau Heim, weil die Baustelle ganz in der N├Ąhe war. einmal habe ich auch Kaiserschmarn mit ged├╝nsteten ├äpfeln gekocht, was sie nicht kannten, aber sehr lecker fanden. Als Vegetarier bin ich auch hier gut weggekommen. Klar habe ich manchmal dann halt nur Beilagen gegessen, aber ich bin immer satt gewesen und meistens hat Brigitt auch geguckt, dass ich irgendeine Gem├╝sealternative hatte. Nachmittags habe ich dann auch wieder irgendwo im Stall auf dem Feld oder im Haushalt geholfen. Da musste ich auch mal irgendwas sauber machen oder saugen und durchwischen, aber das fand ich nicht schlimm. Manchmal habe ich auch auf Ramon aufgepasst. in der Zeit habe ich auch gelernt, wie man Windeln wechselt und Fl├Ąschchen zubereitet.
Um ca. halb f├╝nf gab es dann Zarbig (zu Abend) hier gab es meistens Joghurt und Obst. Danach bin ich dann um f├╝nf rum in den Stall zum Stall machen und melken. Also wieder das gleiche vom Morgen plus melken. Das Melken hat mir ganz besonders viel Spa├č gemacht. Man muss daf├╝r erst den Euter sauber machen und mit der hand vormelken. Dann kann man die Vakuummaschine anschlie├čen und die melkt dann von alleine. Am Ende muss man dann die Maschine wieder abnehmen und die Euter desinfizieren. Nach einigen Tagen, habe ich auch alleine gemolken. Das schwierige daran war nur das Bedienen der Maschinen und das richtige Auf- und Abbauen. Eine sehr sch├Âne Aufgabe war es auch Filana, also dem Kalb, die Milch zu bringen. Das war immer sehr quirlig und herzig.

kleines Kalb Filana

Wenn der Stall fertig war bin ich dann ins Haus und hab mich erstmal geduscht. Dann gab es um halb acht rum Znacht (Zu Nacht) wieder Brot und K├Ąse.
Besondere Tage waren, als ich mit auf die Alb gefahren bin um K├╝he zu holen (dreimal). Einmal mussten wir auch ziemlich weit laufen und helfen die K├╝he abzutreiben. Das war richtig cool, obwohl ich mit beiden Beinen bis zum Schienbein im Matsch stand.

Beim Ausflug auf die Alb

Auch besonders war das Heuen, wenn auch besonders anstrengend ;). Dabei bin ich aber sogar relativ braun geworden, obwohl sonst das Wetter ziemlich bescheiden war. Mein Horrorger├Ąt f├╝r alle Zeiten wird aber der Bl├Ąser sein, mit dem man das Heu aus steilen St├╝cken herunter geblasen hat. Es war schwer und laut (trotz Ohrensch├╝tzer) und bei der Steigung war es ganz sch├Ân schwer das Gleichgewicht zu halten. Bei den ├╝brigen malen heuen habe ich mir dann lieber den Rechen genommen, womit aber auch niemand Probleme hatte.

An meinen freien Tagen habe ich manchmal was mit der Familie unternommen und manchmal alleine. Einmal sind wir zusammen auf eine Alb und haben da zu Mittag gegessen. Ein anderes mal sind wir noch mit dem Neffen von Armin in ein gro├čes Freilichtmuseum gefahren, wo man das alte Leben und Handwerk in der Schweiz auf einer sehr gro├čen Fl├Ąche sehen konnte. An einem Tag bin ich auch nach Luzern rein gefahren, was ich jedem empfehlen w├╝rde, der dort in die N├Ąhe kommt. Es ist eine wundersch├Âne Stadt mit vielen Sehensw├╝rdigkeiten, aber auch einfach am Wasser zu sitzen und zu entspannen ist sch├Ân.

Ich in Luzern vor der Kapellbr├╝cke

Die restlichen freien Tage habe ich freiwillig f├╝r den ├╝blichen Lohn gearbeitet. Den Lohn habe ich immer am Ende der Woche in Bar bekommen. Insgesamt waren das in 3 Wochen 300 ChF.

Mein Aufenthalt ein voller Erfolg. Am Ende wollte ich noch nicht gehen, weil ich die Menschen, die Sprache, die Tiere und die Berge einfach so in mein Herz geschlossen hatte. Man war immer sehr freundlich zu mir und hat sich auch genug Zeit f├╝r mich genommen. Ich habe auch trotz anf├Ąnglicher Sprachprobleme viel mit den Leuten geredet und mich ├╝ber die unterschiedlichsten Dinge unterhalten. Ich durfte sehr schnell selbstst├Ąndig arbeiten und hatte auch immer unterschiedliche Sachen zu tun. Insgesamt hatte ich das Gef├╝hl voll im Alltagsleben aufgenommen worden zu sein, so das mich gerade Hans am Ende gar nicht mehr gehen lassen wollte. Die Berge, die K├╝he und die Sprache vermisse ich tats├Ąchlich schmerzlich, so dass ich wei├č, dass ich auf jeden Fall in die Schweiz zur├╝ckkommen werde. Allen die ihren Aufenthalt in der Schweiz noch vor sich haben w├╝nsche ich viel Spa├č. Genie├čt die freundlichen Menschen und die Landschaft dort und lasst euch von der Sprache nicht unterkriegen.

in diesem Sinne Sal├╝ miteinander ;)

Blick aus meinem Zimmer am Morgen



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